Who is best? („Hundreds of Beavers“)
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Nur das Allerbeste?

29. Januar 2026

Vom kollektiven Drang zum relativierten Superlativ – Vorspann 02/26

Der Schokoriegel ist schuld! 1990 bewarb Ferrero sein Produkt „Duplo“ augenzwinkernd als „Die wahrscheinlich längste Praline der Welt“. Dass hier von „wahrscheinlich“ gesprochen wurde, dürfte wohl darauf zurückzuführen sein, dass man juristischem Beschuss zuvorkommen wollte. Was aber hat das mit der Filmrezension zu tun? Nun: allerhand! Wie bei der Süßwarenwerbung wird auch hier gern mit zitierfähigen Superlativen gearbeitet. Ebenso sieht man sich scheint’s kategorisch dazu genötigt, den Superlativ nicht bloß zu suchen, sondern ihn im selben Zug mit Adjektiven zu entkräften. So lesen wir regelmäßig und bevorzugt zum Jahreswechsel vom „vielleicht besten Film des Jahres“, dem „vielleicht besten Abenteuerfilm der letzten 20 Jahre“, dem „vielleicht besten Zeitreise-Film aller Zeiten“ oder dem „vielleicht besten Holocaust-Film, der je gedreht wurde“. Die halbgare ultimative Lobhudeleimachtselbst vor Klassikern keinen Halt, wenn „Frenzy“ als „der vielleicht makaberste Film des Altmeisters Alfred Hitchcock“ einsortiert wird oder „Der Pate“ als der nur „vielleicht beste Film“ überhaupt. Genau: Stellen sie jedem „vielleicht“ mal ein „nur“ voran, dann wird der Irrwitz dieses Phänomens noch einmal deutlicher.

Bitte nichtfalsch verstehen: Natürlich können wir den Februarstart „No Other Choice“ nur als „vielleicht besten Film des Jahres“ proklamieren, denn wir wissen ja im Februar nicht, was 2026 noch so alles kommt. Nein, unsere Verwunderung gilt ausschließlich Rückblicken (und die Quellenangaben zu den Zitaten sparen wir uns mal, denn das Phänomen ist, nun: weitläufig etabliert). Was wir an der Sache jedenfalls nicht verstehen: Die Länge lässt sich messen, beim Schokoriegel wie beim Film. Bei der Gesamtbeurteilung eines Films aber sieht das völlig anders aus. Wenn zum Beispiel jemand postuliert, „Citizen Kane“ sei der beste Film aller Zeiten, dann kann er seine These, je nach Expertise, mehr oder weniger gut begründen. Man kann ihm zustimmen oder widersprechen, niemand aber kann und wird ihn dafür belangen noch verklagen. Die Einordnung eines Films braucht kein „vielleicht“ – sie muss nicht durch den TÜV.

Unser bisheriges Highlight-Fundstück fanden wir in einer Rezension zu dem Genrestreifen „Smile“, wo es heißt: „…vielleicht der eleganteste, mit ziemlicher Sicherheit aber einer der unheimlichsten Horrorfilme seit Jahren.“ Wir fassen kurz zusammen: „vielleicht“ + Superlativ + „mit ziemlicher Sicherheit“ + „einer der“ + Superlativ. Geht es noch unentschlossener? Nein, wir verstehen es nicht: Hätte Tina Turner besser singen sollen „You’re simply maybe the best“? Sag ich meiner Partnerin besser: „Du bist die vielleicht tollste Frau der Welt?“ Bitte? Ach, was für mich der beste Film des Jahres 2025 ist? Natürlich „In die Sonne schauen“! Wobei. Also, hm, nein, möglicherweise eher „Sorry Baby“? Vielleicht aber auch „Hundreds of Beavers“. Ich kann mich einfach nicht entscheiden. Superlative sind doch eh total überschätzt.

Hartmut Ernst

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