Die schlichte Komödie „Bad Teacher“ mit Cameron Diaz packt einiges an Klischees aufs Lehrerpult. Einer der vielen Minuspunkte auf der langen Liste der negativen Eigenschaften ihrer Elizabeth Halsey, der wohl miesesten Pädagogin der Filmgeschichte, ist der Fakt, dass sie zu faul ist, um zu unterrichten. Stattdessen bespaßt sie die Klasse mit einer DVD. Etwas anders war es meist in der eigenen Schulzeit.
Vor allem kurz vor den Ferien ließen sich die Lehrer manchmal breitschlagen und brachten einen Film mit. Einen alten „Dracula“ nach der Lektüre Bram Stokers anzusehen oder selbst Schlöndorffs Böll-Adaption „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ war im Zweifelsfall attraktiver als normaler Unterricht. Dass damals wie heute mit so manchem inhaltlich bedeutsamen, aber dröge inszenierten Werk jungen Menschen die Lust auf anspruchsvolles Kino verdorben wurde, ist die eine Misere. Dass es dabei – abgesehen vom Engagement Einzelner – an einer grundsätzlichen und systematischen Filmbildung in den meisten Schulen fehlt, diese aber einen wertvollen Beitrag zur Emanzipation mündiger Mediennutzer liefern würde, ist ein anderer Missstand. Derart kulturelle Luxusprobleme werden gern vom Tisch gefegt. Bildung mag ein Schlüsselbegriff im Wahlkampf sein – aber doch nicht solche.
Rechtzeitig zur NRW-Landtagswahl kommen nun drei Produktionen in die Kinos, die das Thema Schule dokumentarisch angehen. Thomas Binn, Filmemacher und ausgebildeter Sozialpädagoge, packt mit seinem Neunzigminüter „Ich. Du. Inklusion. – Wenn Anspruch auf Wirklichkeit trifft“ eines der heißesten Eisen an, das Eltern, Pädagogen und Politiker heute polarisiert. Er begleitete dafür zweieinhalb Jahre lang Grundschüler mit und ohne Unterstützungsbedarf des ersten offiziellen Inklusionsjahrgangs. Gedreht wurde übrigens in Uedem/Kreis Kleve.
Am anderen Ende der Schulkarriere setzt Autor und Regisseur Alexander Kleider an. Er porträtiert ein Institut zur Erlangung der Hochschulreife, das nicht wirklich „Berlin Rebel High School“ heißt, sondern ganz glanzlos SFE – Schule für Erwachsenenbildung. Hier haben die, die dem Druck im regulären Bildungssystem nicht standhalten konnten, die Chance, doch noch ihr Abitur zu schaffen. Abbrecher mögen kein Thema sein, mit dem man Wählerscharen motiviert. Gesellschaftspolitisch ist der gut gemachte, jüngst beim Deutschen Filmpreis unter den Top 3 gelandete Dokumentarfilm dennoch brisant – und rückt eine kleine, basisdemokratische Utopie ins Licht der Öffentlichkeit, die keine Noten und keinen Chef kennt und wo die idealistischen Lehrer so wenig verdienen, dass sich die meisten Abgeordneten oder auch eine Ms. Halsey dafür garantiert nicht aus dem Haus bewegen würden. Den Schlusspunkt des dokumentarischen Dreisprungs im Mai setzt schließlich „Zwischen den Stühlen“. Jakob Schmidts ebenfalls sehenswerte Reflexion über die heutige Ausbildung von Referendaren macht Defizite eines deutschen Schulsystems sichtbar – das zum Glück trotzdem nicht zwangsläufig „bad teacher“ produziert.
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