Hommage an die Schwesternschaft: „Lady“ von Olive Nwosu
Foto: Presse

Wunden und Heilung

29. August 2026

Das 23. Afrika Film Festival Köln – Festival 09/26

Heilung in vielerlei Facetten bildet den Überbau des diesjährigen Programms, wenn das Afrika Film Festival Köln zum 23. Mal die filmische Vielfalt des Kontinents vor uns ausbreitet. Heilung als komplexer Akt im Umfeld von Verlust, Vertreibung und Verdrängung – gebannt in Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilm. Reflektiert in Panel-Talks und Workshops, in Ausstellungen und in einem Kinder- und Jugendprogramm für junge Perspektiven. Zu den Highlights zählen die Festivaleröffnung mit internationalen Gästen und Livemusik, das Panel „New Voices, New Forms – The African Documentary Today“ und die Kurzfilm-Reihe „Queer Voices“. choicesstiftet traditionell den Publikumspreis in Höhe von 1000 Euro. 

Im Mittelpunkt des Festivals steht natürlich das Filmprogramm, das Raum schafft für neue Perspektiven, Reflexion, Begegnungen und Austausch. Emanzipation, Protest und Widerstand sind hier verbindende Themen, die zur Heilung führen können – aber nicht müssen. Der MarokkanerAhmed Bouanani siedelt mit seinerfilmischen Fabel „Mirage“ den Widerstand zwischen laut und leise an, „zwischen Schweigen und Schrei“. „Lady“ erzählt von der Kraft der Schwesternschaft, die Doku „The Lady Who Poked The Leopard“ portraitiert die ugandische FeministinStella Nyanzi. „The People Shall“ spiegelt den Widerstand der kenianischen Jugend gegen den Haushaltsentwurf, „We, People Of The Islands“ begleitet kapverdische Befreiungskämpfer. Auch Kunst schafft Zugang zur Heilung: „Meu Semba“ feiert ebenso die Kunst als Widerstand wie „Notes From The Underground“ und die Doku „Joy Boy“ über den queeren Musiker Julius Eastman.

Und natürlich bietet auch Glaube mancher und manchem Halt, Orientierung oder gar Heilung. Davon, und von den Grenzen des Glaubens, erzählt die Parabel „The Prophet“. Zugleich blickt „Soumsoum, The Night Of The Stars“ auf die Starrheit der Glaubensvorstellungen, das Drama „Njangaan“ von 1975 entlarvt Religion als System der Ausbeutung. Heilung ist nicht Erlösung, Heilung bleibt ein Prozess. Davon erfahren wir in „Variations On A Theme“, der Ausdauer, Warten und Verlust thematisiert. Auch „My Father’s Scent“ spiegelt einen Prozess, in dem sich Vater und Sohn dem Konflikt zwischen Aussöhnung und Vergeltung stellen. „Nothing Happens After The Revolution“ nähert sich dem Thema aus dem Exil heraus, das Migrationsdrama „Reine Mère“ erzählt von Rassismus und sozialem Abstieg, „Pressure“ von 1976 begleitet entfremdete schwarze Jugendliche im London der 1970er.

Heilung als Prozess, inspiriert durch Kunst, Glaube, Protest – und nicht zuletzt durch das 23. Afrika Film Festival Köln. So versteht es auch Ibrahim Snoopy, Schirmherr des Festivals, in seinem Grußwort:„Dieses Festival hat sich um mich und viele andere Filmemacher:innen gekümmert und dafür gesorgt, dass wir mit Würde, Respekt und vor allem Wertschätzung behandelt wurden.“ Und er endet mit einem Appell: „An alle, die Filme schauen, sie unterstützen und an das Kino und die Geschichten glauben, die es erzählt: Ihr helft dabei, die Welt zusammenzuhalten, und verhindert, dass sie auseinanderfällt.“

Afrika Film Festival Köln 2026 | 17. – 27.09. | Programm und Tickets unter www.afrikafilmfestivalkoeln.de

Hartmut Ernst

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