Der Aufbau im Ständehaus hat länger gedauert als vorgesehen, der Termin der Eröffnung stand erst relativ kurzfristig fest – aber dafür hat der argentinische Künstler Tomás Saraceno eine hinreißende Ausstellung geschaffen, von einer Schönheit und Großzügigkeit, wie man nur selten erlebt. „in orbit“ ist eine Installation unter dem Kuppeldach, die man auch von der Piazza aus sehen kann. Von unten wie eine ferne transparente, reflektierende lineare und sphärische Konstruktion auf dem Weg zum Himmel, bietet die Installation auf der rundum laufenden Ebene direkt unter der Glaskuppel, also aus der Nähe auf Augenhöhe, unendlich viele Ansichten zwischen pragmatisch funktionaler Architektur und der Anmutung überdimensionaler Regentropfen in einem biomorphen Wolkenfeld. Ein Feld zur Begehung: Die Besucher können (nach Einweisung und in begrenzter Anzahl) in die gespannten Netze steigen, schauen von dort in die Tiefe oder können sich auch hinlegen und gegen den Himmel oder auf die Erde blicken. Zum Meditieren laden noch Kissen ein. Die Besucher scheinen zu schweben, liegen, laufen auf unterschiedlichen Ebenen, spiegeln sich in einer riesigen silberglänzenden Kugel, die wie selbstverständlich in das Geschehen integriert ist, und werden so zum Teil der Ausstellung.
Natürlich erinnert das an ein Labor, an eine Versuchsstation zum Verhalten des Menschen im Weltraum. Und natürlich klingen hier ganz bewusst die utopischen Entwürfe etwa von Buckminster Fuller an, ja, hier werden sie Realität. Zu denken wäre auch an Frei Otto oder Yona Friedman, die für Saraceno auf unterschiedliche Weise Vorbilder in seiner Arbeit sind. Tomàs Saraceno, der 1973 geboren wurde und in Buenos Aires und Frankfurt am Main studiert hat, macht sich dabei die Erkenntnisse der Natur zu eigen. Er beschäftigt sich zudem wissenschaftlich mit dem Leben der Spinnen, deren Sozialverhalten und deren Befähigung, Netze zu knüpfen – und mit der Art, auf die sie diese knüpfen. Darauf beruhen seine Konstruktionen, wo immer sie Saraceno, der zu den Global Playern im internationalen Kunstgeschehen gehört, baut. Im Ständehaus nun hat er dazu einen Raum mit zwei Spinnenkolonien mit ihren unterschiedlichen Netzen eingerichtet – und es leuchtet und funkelt auf eine phantastische Weise, wirkt geheimnisvoll und ist auch vom Visuellen her kunstvoll – und eben Kunst.
Also, es gibt viele Möglichkeiten, sich der Installation von Saraceno zu nähern und sie zu begreifen. Eines aber ist klar: sie handelt von Schwerelosigkeit und genauso kommt sie rüber. Der Aufwand, die komplizierte technische Realisation, die verwaltungstechnische Klärung aller sicherheitsrelevanten Fragen – all das ist vergessen. Wie wunderbar!
„Tomás Saraceno: in orbit“ | bis auf weiteres in K21, Ständehaus der Kunstsammlung NRW in Düsseldorf | www.kunstsammlung.de
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