Nicht nur eine NRW-, sondern auch eine Deutschland-Premiere: Tara Donovan stellt ihre filigranen, halbtransparenten, geschwungen volumetrischen Objekte derzeit im Bahnhof Rolandseck aus. Geboren 1969, gehört die New Yorkerin zu einer Generation, die mit organischen Verläufen Zustände des Sinnlichen erzeugt und eine genaue Recherche zu Phänomenen des Alltags unternimmt. Sie schichtet Materialien unserer industriellen Realität und verwandelt sie in hinreißend schöne Formulierungen. Ihre Objekte an der Wand und im Raum erinnern an Kristalle und Seifenblasen, sie könnten aber auch biomorphe Kleinststrukturen sein, gesehen unterm Mikroskop, oder Gewächse auf dem Meeresgrund. Sie sind milchig hell und strahlen ein sanftes Licht aus. Die Ausstellung im Bahnhof Rolandseck wird von drei Kuben beschlossen, in denen jeweils eine minimale Form in riesiger Anzahl verklebt und gepresst ist und nun einen pulsierenden Organismus initiiert. Dabei trägt das Nebeneinander der Kuben etwas vergleichend Analytisches, und doch bleibt ein Geheimnis, was hier in eine nüchtern strenge Form gefasst ist.
All das lässt auch an das Werk der 1979 in Kattowitz geborenen, in Berlin lebenden Alicja Kwade denken, etwa an ihre Arbeit im Skulpturenpark Köln mit Stelen und Blöcken aus unterschiedlichen natürlichen, teils industriell verarbeiteten Materialien. Einen Einblick in Kwades aktuelle Produktion vermittelt nun ihre Ausstellung im Museum Haus Esters in Krefeld. Kwade vervielfältigt und ordnet Alltagsgegenstände und natürliche Stoffe, sie verwendet unterschiedliche Materialien und lädt sie im Nebeneinander symbolisch auf und verleiht ihnen etwas Besonderes. Die Eingriffe, die Kwade noch unternimmt, sind minimal und dienen dazu, komplexe Situationen aufzurufen. So „rollen“ vom Garten aus Findlinge auf Haus Esters zu und verweisen auf die Asteroiden, die in Erdnähe kreisen mitsamt der Ungewissheit, ob sie auf die Erde stürzen. Zeit, Ursprünglichkeit, der genaue Blick auf die Beschaffenheit der Dinge selbst: All das sind Aspekte der Kunst von Alicja Kwade, die sich immer noch aus Ahnungen und subtilen Anspielungen speist.
Es ist reizvoll, daneben die Zeichnungen von Jorinde Voigt zu sehen, die derzeit in der Langen Foundation auf der Raketenstation bei Neuss ausstellt und implizit solche Überlegungen umsetzt. Sie zeichnet ausgreifend geschwungene Liniensysteme auf oft großformatige Blätter. Wie im Rausch finden Bewegung und Veränderung, der Wechsel von der Fläche in den Bildraum statt. Eine wichtige Referenz ist die Musik. In der Langen Foundation ist nun ihr 2012 entstandener Zyklus zu Beethovens Sonaten 1-32 ausgestellt. Jede Sonate ist auf einem Blatt zeichnerisch festgehalten: Die musikalische Notation mitsamt dem Hören sind in ein Bild übertragen, ergänzt um textliche Anweisungen zum musikalischen Vortrag. Voigt zeichnet Netze und Raster, an denen sich der Blick hält, der dann doch die Musikalität empfindet, sie aber als Gleichzeitigkeit erfasst. Wie in der Kunst von Donovan und Kwade geschieht dies meditativ und in großer Innigkeit – bei allen, schon medialen Unterschieden, gibt es doch wesentliche Berührungen in der Haltung und Formensprache.
„Tara Donovan“ | bis 9.3. | Arp Museum Bahnhof Rolandseck bei Remagen | www.arpmuseum.org
„Alicja Kwade“ | bis 16.2. | Museum Haus Esters, Krefeld | www.museenkrefeld.de
Jorinde Voigt“ | bis 2.2. | Langen Foundation, bei Neuss | www.langenfoundation.de
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