Wie vertiefend es sich fügt: Kaum ist die Ausstellung mit Yayoi Kusama im Kölner Museum Ludwig vorbei, da wird jetzt in Düsseldorf mit Niki de Saint Phalle (1930-2002) eine weitere Künstlerin im Rheinland vorgestellt, die mit ihrem Wiedererkennungswert höchst populär ist und feministische Fragen in die Öffentlichkeit trägt. Ihre „Nanas“ sind füllig-ballonartige Frauengestalten in unbeschwerten Posen, die farbig bemalt sind und den öffentlichen Raum bevölkern. Der Kunstpalast im Ehrenhof Düsseldorf zeigt nun einen Überblick über das gesamte Schaffen der französischen Künstlerin, die auch in den USA gelebt hat. Die Schau unternimmt es, die Hintergründe und Emotionen hinter dem kindlich-spielerischen Look freizulegen.
Bekannt wurde Niki de Saint Phalle zunächst im Umfeld der Gruppe des Nouveau Réalisme mit ihrem Ehemann Jean Tinguely, mit ihren „Schießbildern“. Dazu schoss sie auf Farbbeutel vor ihren Assemblagen, sodass sich die Farben wie Blut über die Flächen ergossen. Gebündelte Wut und deren Verarbeitung kamen zum Ausdruck: auf die Familie mit dem Missbrauch durch den Vater, auf die patriarchale Gesellschaft ihrer Zeit. Mit den „Nanas“ entwickelte sie wenig später eine Ausdrucksform für die Selbstbestimmung der Frau, die sie in immer neuen Formen und Gestimmtheiten variierte. Die „Nanas“ – ein salopper Ausdruck für junge moderne Frauen in Frankreich – widersprechen dem gängigen Schönheitsbild und symbolisieren das wechselnde Rollenbild und die Befreiung von diesem. So erinnert die Ausstellung auch an die monumentale schwangere „Nana“, die 1966 vor dem Moderna Museet in Stockholm durch die Vagina zu betreten war, und den „Tarot-Garten“ mit seinen riesigen Spielkarten-Figuren in der Toskana.
Stete Teile ihres Werkes sind Tiere, besonders die Spinne, Träume und die Fantasie. Sie richtet sich ebenso an Kinder wie sie Zeit ihres Lebens auch aktuelle Themen aufgegriffen hat. Niki de Saint Phalles Gegen-Pop ist aus dem Kontext seiner Zeit gedacht und war damals als Zeichen der Emanzipation friedlich-aufmüpfige Rebellion. Noch immer ist ihre feministische Kunst notwendig und zugleich erfrischend in der Zusammenstellung zu sehen.
Niki de Saint Phalle. Dream Machine | bis 7.2. | Kunstpalast im Ehrenhof Düsseldorf | 0211 56 64 21 00
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