Das Orchestertutti schwingt sich jüngst in Kölns Philharmonie auf zum dynamischen Höhepunkt der Sinfonie, wie inszeniert erklingt ein scharfer Knall. Ein Schuss? Die Kölner sind karnevalsbedingt schussfest, aber es wird momentan viel herumgeballert in der Stadt, auf Wohnhäuser, auf Geschäfte, warum nicht mal in der Philharmonie. Nach kurzem Ducken und Zucken beruhigt sich die Szene, es ist wohl ein Leuchtmittel implodiert. Das passiert in gesetzten Gebäuden schon mal, das Haus feiert immerhin 40. Geburtstag. Die Kölner Kulturgemeinde zittert nachhaltig und wohl begründet nach einem 14-jährigen Operndesaster (ohne Ende) beim Gedanken an eine notwendige Überholung – frühester Start 2032.
Anders ist es in Bochum. Die Stadt und besonders die Bochumer Symphoniker, liebevoll die BoSys genannt, feiern einen Kindergeburtstag. Seit zehn Jahren erleben sie eine Residenz im neu gebauten Anneliese Brost Musikforum Ruhr, man könnte auch sagen, in ihrem Konzertgebäude. Denn ganz wesentlich bestimmen sie das sinfonische Angebot dieses Forums, aufgelockert durch ihren flexiblen Wandel zwischen Klassik und Pop.
Ein Grund zu feiern, mit ihrem neuen Generalmusikdirektor und Intendanten Aurel Dawidiuk, einem Mittzwanziger und damit jüngsten Chef an einer solchen Position in Deutschland. Er ist gelernter Dirigent, Pianist und Organist, eine passgenaue Position also für das Brost-Forum aus Kirche und Konzertsaal. Und er knüpft in seinen Programmen an Bochumer Traditionen an – so mit einer Einladung an seinen langjährigen Vorgänger und heutigen Ehrendirigenten Steven Sloane.
Dieser erinnert an die eigene jüngere Geschichte mit einer Wiederaufführung einer Bochumer Auftragskomposition der israelischen Komponistin Ella Milch-Sheriff. Für ihren Liederzyklus für Sopran und Orchester reist Rebecca Nelsen an, eine Operndiva mit komödiantischem Talent und breitem Rollenspektrum zwischen Marilyn Monroe und Verdis Violetta, die sich in die Texte von Else Lasker-Schüler vertiefen wird. Zwischen Wagner, Haydn und Richard Strauss kann sich die mehrfach ausgezeichnete zeitgenössische Tonsetzerin Milch-Sheriff behaupten, in Wien wurde zuletzt ihre Oper „Alma“ uraufgeführt – ein Werk über Alma Mahler-Werfel. Ihr aktuell in Bochum erklingender Liederzyklus heißt „Abschied“ – für die BoSys ein Aufbruch verjüngt voran.
Meisterstücke: Vom Licht der Welt | 19., 20.11. 20 Uhr | Anneliese Brost Musikforum Ruhr, Bochum | www.bochumer-symphoniker.de
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