Was macht ein Regisseur mit einer Handlung, die in der Operngeschichte an Wirrnis kaum übertreffbar scheint? Giuseppe Verdis „Il Trovatore“ erzählt ein Drama, das in der Vorgeschichte seiner Charaktere im Bürgerkrieg des spätmittelalterlichen Spaniens wurzelt. Zwei Rivalen konkurrieren um eine begehrenswerte Frau, kämpfen auch politisch in unterschiedlichen Lagern. Dazwischen eine „Gitana“, eine Frau aus einem wandernden Volk aus den Bergen.
Am Ende triumphiert der Tod in Shakespear‘schem Ausmaß: Leonora vergiftet sich, weil sie keine Chance für ihre Liebe zu Manrico sieht. Der „Troubadour“ Manrico wird von seinem Rivalen Graf Luna hingerichtet. Die fremde Frau, Azucena, als Hexe verunglimpft, bricht leblos zusammen, als sie den Tod ihres Sohnes mit ansehen muss. Ihres Sohnes? Nein: Manrico war der Bruder des Grafen, den ihre Mutter einst entführt hatte. Sie hat ihn großgezogen, weil sie statt des gräflichen Babys ihr eigenes Kind im Wahn ins Feuer geworfen hatte. Das Feuer und den Scheiterhaufen, auf dem ihre Mutter verbrannt wurde, sieht Azucena heute noch vor ihrem geistigen Auge. Und der Tod Manricos ist ihre Rache für den grausamen Muttermord.
Alles klar? Wenn nicht, tut es der Wirkung von Verdis populärem Werk keinen Abbruch. Schon der Autor der Vorlage „El trovador“, Antonio García Gutiérrez, knüpft die Handlung nur lose zusammen. Doch die Story war genau nach dem Geschmack Verdis: Eine Kolportage, gebildet aus Szenen von durchschlagender Kraft. Sein Librettist Salvatore Cammarano lieferte, und Verdi schrieb Melodie um Melodie. Der Ruhm des „Trovatore“ beruht, nachdem der Geschmack am romantischen Drama längst schal geworden ist, auf dem Reichtum der Musik. Andere Komponisten hätten mit Verdis Einfallsüberfluss ihr ganzes Leben lang Opern gespeist.
An der Deutschen Oper am Rhein übernimmt Jens-Daniel Herzog, bis 2018 Intendant der Oper Dortmund, danach bis heute in Nürnberg, die Herausforderung einer schlüssigen Regie. Mit Antonino Fogliani steht ein Kenner der romantischen Belcanto-Tradition am Pult der Düsseldorfer Symphoniker. Luiza Fatyol als Leonora und Ramona Zaharia als Azucena versprechen stilsicheren Verdi-Gesang; Irakli Kakhidze, vom Nationaltheater Mannheim kommend, ist ein erfahrener Manrico, der die Partie u.a. in Mannheim, Wiesbaden und Hongkong gesungen hat.
Il Trovatore | Deutsche Oper am Rhein, Düsseldorf | 27.6. (P), 2., 5., 12., 19.7, 3.4.27 (WA) | Theater Duisburg | 11.6.27 (P)
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