Vom Typischen zum Besonderen: Unlängst fanden in NRW einige beachtliche Themenausstellungen zur avancierten zeitgenössischen Plastik statt, die etwa ihrer biomorphen Formsprache und der Verwendung aktueller Materialien nachgingen. Und nun sind in Köln und Bonn Werkübersichten zu zwei Hauptvertretern in diesem Metier zu sehen. Cosima von Bonin und Thomas Rentmeister haben sich in der ersten Liga der Kunst über Deutschland hinaus etabliert. Aber sie sind in ihrem Werk ziemlich unterschiedlich.
Doch der Reihe nach. So richtig kann man bei der Ausstellung der 1962 geborenen und in Köln lebenden Cosima von Bonin im Museum Ludwig nicht von einer Werkschau sprechen. Zwar umspannen die Arbeiten einen Zeitraum von zwei Jahrzehnten, aber von Bonin versteht ihr Schaffen als fortgesetzten Prozess, basierend auf den gleichen Prinzipien. Ihre Arbeit ist gegenständlich, figurativ, sinnlich und zugleich konzeptuell angelegt. Die Kölner Ausstellung mit ihren lebensgroßen Figurationen, die oft von der Natur abgeleitet sind und aus weichen Stoffen bestehen, ist ein vitales Fest mit Verweisen auf die Popkultur, zu Comic und Märchen wie auch zur Mode. Cosima von Bonin bezieht in ihre Ausstellungen andere Kunstgattungen und befreundete Kulturschaffende ein, und sie greift bestimmte Motive in Variation auf. Auch wenn sich die Ausstellung über mehrere Räume im Museum Ludwig erstreckt, die eigentliche Sensation ist doch der Oberlichtsaal, der mit riesigen Tischen besetzt ist, unter denen man laufen und sich verschiedenen bildnerischen und akustischen Stationen annähern kann. Die Tischplatten selbst fungieren als Flächen für weitere Arbeiten, die man dann von der Galerie aus betrachtet. Und die Themen selbst? Hinterfragt wird die Gültigkeit bestimmter kultureller Chiffren für unsere Zeit; gewiss geht es auch um Identität, Realität und Traum und um Zuordnungen des Weiblichen und des Männlichen.
Thomas Rentmeister, der zeitgleich im Kunstmuseum Bonn ausstellt, bleibt hingegen grundsätzlich. Seine Kunst handelt von der Realität seiner Materialien. Rentmeister, der 1964 geboren wurde, in Berlin lebt und eine Professur in Braunschweig innehat, verwendet Werkstoffe des Alltags und besonders des Hygiene- und Nahrungsbereichs. Ihn interessieren, bei gleichzeitiger Auflösung der konturierten Form, Konsistenzen und Oberflächen. Bekannt wurde er zunächst mit monochrom glänzenden Polyester-Körpern, die auf dem Boden liegen, sowie riesigen Feldern aus Nutella. Schließlich entstehen seit einigen Jahren große Installationen mit weißen Kühlschränken, die mit Penatencreme eingeschmiert sind – im Kunstmuseum Bonn bildet ein solcher Raum noch mit Papieren und Stoff das Energiezentrum, in dem zerstiebendes Weiß wie Schneegestöber auftritt und geradezu blendet.
Diese beiden Ausstellungen also belegen das Spektrum zeitgenössischer Plastik passabel. Aber es gibt noch eine weitere wichtige Schau zu sehen, und zwar im Sprengel Museum in Hannover, die der Schweizer Thomas Hirschhorn eingerichtet hat. Auch gut! Bzw. ausgezeichnet!
„Cosima von Bonin’s Cut! Cut! Cut!“ I bis 13. Mai im Museum Ludwig in Köln I
www.museum-ludwig.de
„Thomas Rentmeister, Objects, Food, Rooms“ I bis 5. Februar im Kunstmuseum Bonn I www.kunstmuseum-bonn.de
„Thomas Hirschhorn, Unter Kontrolle“ I bis 15. Januar im Sprengel Museum Hannover I www.sprengel-museum.de
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