Die Astronauten der Apollo-Missionen hatten es ungleich schwerer, sie mussten Tausende von gefährlichen Kilometern in einer Blechbüchse reisen, um einmal die Rückseite des Mondes sehen zu können. Die Besucher der Düsseldorfer Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen treten lediglich durch einen rekonstruierten Eingang, die „Bar Aubette“ (1926 bis 1928) von Sophie Taeuber-Arp, die einst in Straßburg realisiert war. Dann haben sie die andere Seite des Mondes bereits erreicht. Unbekanntes Terrain, in dem die Avantgarde-Kunst von acht Künstlerinnen, eine Retrospektive des damals Elitären aus weiblicher Sicht, gezeigt wird. Kaum eine hat es bis heute in die allgemeine Kunstgeschichte geschafft. Keine von ihnen ist in der berühmten Düsseldorfer Sammlung vertreten. Es ist Marion Ackermann, der Direktorin, zu verdanken, dass dieses Manko zumindest temporär beseitigt wird.
Wer in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts zu den dadaistischen Zirkeln in Europa gehören wollte, der musste zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort sein, musste Kontakte haben und sie auch pflegen, und er musste natürlich auch über die nötigen Mittel verfügen, sich dies leisten zu können. Viele weibliche künstlerische Genies dürften da durch das Raster der patriarchalen Gesellschaften gefallen sein, Brot statt Kunst, Kinder statt Dada. Ihre Geschichten sind verloren, weil sie leider nie geschrieben werden konnten. Allzu viel hat sich da bis heute nicht geändert, schon gar nicht in den Museen. Auch dies geht einem durch den Kopf, wenn man die rund zweihundertdreißig Werke sieht, die Kuratorin Susanne Meyer-Büser zusammengetragen hat. Claude Cahun, Sonia Delaunay, Germaine Dulac, Florence Henri, Hannah Höch, Katarzyna Kobro, Dora Maar und Sophie Taeuber-Arp kannten sich, trafen sich und bauten europaweit ein Netzwerk auf, mit dem sie sich gegen ihre männlichen Künstlerkollegen behaupten konnten.
Ihre Kunst hatte auch Gebrauchswert. Da sind Teppiche zu sehen, frech designte Mode, Skulpturen als Innenarchitektur und auch Marionetten, mit denen manch dadaistisches Kasperletheater für Erwachsene realisiert wurde. Außergewöhnlich die Selbstportraits von Claude Cahun, die 1894 als Lucy Renée Mathilde Schwob geboren wurde und sich in der Gruppe um André Breton als Schriftstellerin einen Namen machte. Sie war auch eine Pionierin der surrealen, inszenierten Fotografie, Jahrzehnte vor einer Cindy Sherman. In den Fotos inszenierte sich Cahun als Mann, Gott oder Schwergewichts-Sportler. Während des Zweiten Weltkriegs wurde dieses Verwirrspiel für das Kind einer jüdischen Literatenfamilie aus Nantes überlebenswichtig, jahrelang verkleidete sie sich und ihre Lebensgefährtin als alte Frauen. Während viele Arbeiten von Sophie Taeuber-Arp (1889-1943) und Sonia Delaunay (1885-1979) noch zu sehen sind, haben nur wenige Werke von Katarzyna Kobro (1898-1951) die Wirren des Krieges und die traurigen Lebensumstände danach überlebt. Ihre konstruktivistischen Skulpturen, zu sehen sind fünf, dienten eigentlich nur als Modelle für architektonische Bauten wie das Projekt einer funktionalen Vorschule aus den Anfängen der 1930er Jahre.
Ein Besuch in Düsseldorf lohnt, auch um zu sehen, wie offensiv Direktorin Ackermann mit dem Fehlen weiblicher Kunst in der Sammlung umgeht. Dort hängen jetzt exemplarisch sieben Arbeiten von Künstlerinnen (Grandes Dames). Temporär natürlich.
„Die andere Seite des Mondes“ I K20 Düsseldorf I bis 15. Januar I 0211 838 12 04
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