Jordan de Souza
Foto: Sophia Hegewald

Der ganze Brahms

06. April 2026

Vier Sinfonien an zwei Abenden in Dortmund – Klassik an der Ruhr 04/26

Lieben Sie Brahms? So lautet der Titel eines Films mit Ingrid Bergmann in der Hauptrolle, ein Klassiker mit ähnlicher Handlung wie der Dustin Hoffmann-Hit „Die Reifeprüfung“: Junger Mann mit älterer verheirateter Frau, das war in den 60er Jahren ein echtes Knallerthema. Ingrid Bergmann, ein Superstar dieser Zeit, hatte im wirklichen Leben tatsächlich eine Liebesromanze, die in der Presse und bei ihren bürgerlichen Fans nicht gut ankam.

Johannes Brahms kam als junger Mann nach Düsseldorf, auf Empfehlung von Felix Mendelssohn stellte er sich dort Robert Schumann vor – die Komponisten der Romantik waren eng verzahnt. Das lag auch daran, dass die kulturellen Musikzentren Europas damals an gut zwei Händen abzuzählen waren. Robert Schumann hatte eine sehr berühmte Frau erkämpft, die internationale Pianistin Clara Schumann. Für Brahms eine ältere Dame, die ihn von der ersten Sekunde an faszinierte – es wurde eine lebenslange Freundschaft, deren TIefe bis heute im Geheimen ruht.

Als Brahms 1876 endlich sein erstes sinfonisches Kind zur Taufe freigab – da war Robert Schumann schon 20 Jahre tot – stand er mit 43 Jahren mitten im Leben. Er hatte für sein Beziehungsleben auch in Hinsicht auf Clara das Motto des befreundeten Geigenvirtuosen Joseph Joachim übernommen: „Frei, aber einsam.“ Die entsprechende Tonfolge f-a-e ist auch kompositorisch einsetzbar, sie förderte die Entstehung drei weiterer Sinfonien. Hatte er für den Erstling noch zwölf Jahre der Vorbereitung und Entwicklung investiert, so reichten für die nachfolgenden Orchesterwerke ein bis zwei Sommer. Das später als „entwickelnde Variation“ bezeichnete Kompositionsprinzip war eng verzahnt. Es wurde das Markenzeichen der Brahms-Sinfonien.

Deshalb ist es ein echter Luxus, wenn wie jetzt in Dortmund die Möglichkeit geboten wird, den Quartettsatz an zwei Abenden komplett und aus einer Hand erleben zu dürfen. Es dirigiert der Kanadier Jordan de Souza in seiner ersten Spielzeit als Generalmusikdirektor in Dortmund, es spielen seine Philharmoniker. Damit beantwortet die gesamte Mannschaft im Konzerthaus die oben gestellte Frage: positiv!

Brahms Zyklus | 28., 29.4. | Konzerthaus Dortmund | 0231 22 69 62 00

Olaf Weiden

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