Das Deja-vu begann schon vor dem Musical Dome: Da sprach mich doch einer jener adrett gekleideten jungen Männer an, die in meiner Jugend auch an unserer Haustür klingelten, um mir die Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage nahezubringen. Leider gab es damals das Musical „The Book of Mormon“ noch nicht und man musste sich durch das von Joseph Smith 1823 entdeckte „Dritte Testament“ quälen, das die Grundlage für die am schnellsten wachsende Religion der Welt wurde.
Als sich 2011 die Schöpfer der Kult-Animationsserie „South Park“ und der Co-Autor des nicht minder provozierenden Broadway-Hits „Avenue Q“ des Stoffes annahmen, war klar, dass wir keine erbauliche, musikalische Religionsstunde erwarten können. Trey Parker, Matt Stone und Robert Lopez (Buch, Musik, Liedtexte) schufen mit dem vielfach preisgekrönten „Book of Mormon“ ein Musical, das sich nicht nur über die Mormonen, sondern auch über die Amerikaner im Allgemeinen lustig macht – und fröhlich-frech die Klassiker des Genres plündert. Dabei gehen sie in ihrer Respektlosigkeit und pubertärem Humor noch einen Schritt weiter als Mel Brooks mit „The Producers“ und Monty Python in „Spamalot“, was Regisseur und Choreograf Casey Nicholaw mit seiner temporeichen Inszenierung aber immer wieder auffängt, ehe es die Grenzen zur Vulgarität überschreitet.
So begleiten wir die beiden jungen Missionare, den elitären Yuppie Kevin Price (überzeugend: Kevin Clay) und den übergewichtigen Volltrottel Arnold Cunnigham (Conner Peirson) auf ihrer Bekehrungsreise nach Uganda. Dort werden sie von den Dorfbewohnern mit dem an „Hakuna Matata“ aus „König der Löwen“ erinnernden Song „Hsa diga eebowai“ begrüßt, was so viel heißt wie „Fick dich, Gott“. Aber auch Rodgers und Hammerstein, die großen Vorbilder der „Mormon“-Macher, werden mit der Ballett-Nummer „Joseph Smith American Moses“ nicht gerade jugendfrei zitiert. Und das von der (nur männlichen) Missionars-Truppe fulminant getanzte „Turn It Off“ erweist den großen Stepp-Musicals der 40er Jahre seine Referenz.
Brian MacDevitt hat dabei das an alte Bibel-Illustrationen erinnernde Bühnenbild von Scott Pask stimmungsvoll ausgeleuchtet und die originelle Orchestrierung lässt die eingängige Partitur in sattem Live-Sound erklingen. Natürlich dürfen die beiden Sahnehäubchen des äußerst unterhaltsamen Abends nicht unerwähnt bleiben: Nicole-Lily Baisden ist als Eingeborenenmädchen Nabelungi, das noch auf einer alten Schreibmaschine „simst“ und vom Paradies Sal Thay Ka Siti (Salt Lake City) träumt, einfach entzückend. Und Conner Peirson hat durchaus das Talent, in die Fußstapfen so großer Broadway-Musical-Komödianten wie Robert Morse und Zero Mostel zu treten. Schade eigentlich nur, dass man das im englischen Original aufgeführte Musical ohne Untertitel präsentiert, was doch einen Teil der Zielgruppe außen vor lässt.
„The Book of Mormon“ | bis 17.11. | Musical Dome, Köln | 0211 734 40
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