Es hilft nichts, druckgraphische Techniken wirken heutzutage antiquiert – es sei denn, sie werden neuartig eingesetzt: zur Intensivierung, um eine spezifische Intention zu verwirklichen, vielleicht auch zur (subversiven) Irritation.
Letzteres ist bestimmt kein Motiv der Radierungen und Lithografien von Richard Serra. Bei den Stahlplastiken, mit denen er weltberühmt ist, schwingt eher schon eine latente Ironie mit. Überlebensgroße rostende Stahlplatten ragen steil auf und kippen trotz aller Bedrohlichkeit nicht. Die Formensprache von Serra ist als minimalistisch zu bezeichnen, aber das kalte Metall erhält eine enorme Vitalität, und letztlich tragen solche Arbeiten, die im öffentlichen Raum „stören“, dazu bei, dass wir uns mit aller Körperlichkeit bewusst werden. – Was aber können da die Ölkreidezeichnungen und Druckgrafiken leisten, die das Museum für Gegenwartskunst Siegen derzeit ausstellt? Auf den verhältnismäßig großen Blättern scheint zunächst nicht viel zu passieren. Gegeben sind schwarze Flächen, die sich an den Rändern auflösen oder Kurvaturen zeigen. Aber sie vergegenwärtigen die Textur des Stahls, beschreiben die Bewegungen der Flächen und führen eine denkbare Verdichtung vor Augen: als existentielle Geste. Eindrucksvoll, hilfreich auch für das Verständnis der Plastiken.
Sache der transsilvanischen, heute in Köln lebenden Zwillinge Gert und Uwe Tobias ist der Holzschnitt. Die Brüder, die 1973 geboren wurden, sorgen mit oft riesigen Werken seit Neuestem für Aufsehen, alle finden’s toll. Der Holzschnitt ist Teil der Attraktion: In der rau samtenen Oberfläche, die den Glanz des Vergangenen trägt, sind Ornamente, Schrift und Figurationen zu sehen, als krudes und doch organisiertes Zueinander. Die Figurinen bewahren gar etwas Braves. Zentraler Bezugspunkt der Brüder ist die rumänische Heimat mit ihrem folkloristischen Bestand und ihrer mythologischen Tradition. Dazu sind noch Zeichnungen, Glasobjekte sowie Installationen entstanden – von allem ist nun im Kunstmuseum Bonn etwas zu sehen, und alles ist gut und leider nicht ohne Harmlosigkeit ... Doch dann gelangt man im Bonner Kunstmuseum ein Stockwerk drüber in die Werkschau des fast 40 Jahre älteren Spaniers Luis Gordillo (bis 25. Mai in Bonn), und dort sieht man eine fulminante Malerei, bei der alles in Bewegung ist und sich spannungsvolle Ornamente aus Spiegelungen und Dehnungen entwickeln. In überbordender Phantasie wird das Bild gesprengt, wobei unterschiedliche Reproduktionstechniken verwendet sind. Hier erfährt man dann – wie schon bei Serra – wie intensiv Kunst tatsächlich sein kann.
Gert & Uwe Tobias bis 12. Mai im Kunstmuseum Bonn, Friedrich-Ebert-Allee 2, www.kunstmuseum-bonn.de
Richard Serra bis 18. Mai im Museum für Gegenwartskunst, Unteres Schloss 1 in Siegen, www.mgk-siegen.de
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