Foto: Sasha Gusov

Ein Fest der Kammermusik

07. Juli 2025

Der Pianist Alexandre Kantorow in Wuppertal – Klassik an der Ruhr 07/25

Dass bei einem Comic-Film mit „Tom & Jerry“ ein Künstlerleben beginnt, weil Liszts Ungarische Rhapsodie im Verbund mit den laufenden Bildern sich magisch in den Kopf eines kleinen Jungen brennt, scheint ungewöhnlich. Zufällig sind die Eltern des kleinen Franzosen Alexandre Kantorow aber selbst Berufsmusiker, sensible Erzieher, die den Jungen entscheiden lassen. Der lernt das Klavier als Freund und drucklosen Begleiter kennen – erst nach dem Abitur setzt Alexandre seinen Wunsch endgültig um, die Laufbahn eines Pianisten einzuschlagen. Mit 22 Jahren, nach einem Studium in Paris, gewinnt Alexandre Kantorow als erster Franzose den Tschaikowsky-Wettbewerb in Moskau, das ist mehr als ein Ritterschlag im internationalen Klavierzirkus. Fünf Jahre später, nach zahllosen Auftritten mit den besten Orchestern und den besten Dirigenten und einem weltweit beachteten Konzert zur Eröffnungfeier der Olympischen Spiele in Paris plant er jetzt in Wuppertals Konzertschachtel, dem stilistisch gemischten Prachtbau Stadthalle, den Abschluss des Klavierfestivals Ruhr: Nicht mit Orchesterklängen, sondern mit der Königsdisziplin des Musizierens, der Kammermusik. In Moskau hat er damals u.a. mit Brahms 2. Klavierkonzert die Goldmedaille erstritten, mit zwei Brahms-Klavierquartetten möchte er auf Wuppertals Hügel punkten. Dazu gehören drei weitere erlesene Musiker aus der ersten Reihe.

Landsmann Renaud Capuçon, vor Jahrzehnten häufig mit seinem Bruder Gautier am Cello durchgestartet, wird heute als einer der renommiertesten Geiger in Promi-Besetzungen gesehen. Neben Ernennungen zum Ritter adelt ihn seine Guarneri-Geige, sie gehörte einst Legende Isaac Stern. Laurence Power sprang im Mai beim Streichquartett Quatuor Ébène kurzfristig ein und schlug sich mehr als beachtlich – das können nur die Besten. Er spielt eine Amati, auch ein historischer Schatz, angemessen für den weltweit bekannten Bratschen-Star. Fehlt noch das Cello von Victor Julien-Laferrière, eines aus der Werkstatt von Domenico Montagnana, um das Quartett in der Tiefe abzurunden. Er besitzt ein eigenes Orchester und dirigierte auch gern selbst – an Führungskräften wird es diesem Quartett nicht mangeln.

Alexandre Kantorow / Abschluss Klavier-Festival Ruhr | Mi 16.7. 20 Uhr | Historische Stadthalle Wuppertal | 0202 24 58 90

Olaf Weiden

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