Roger Hanschel (2. von r.) und das Streichquartett String Thing
Foto: Bettina Meister

Experimentell und innovativ

02. September 2024

3. New Colours Festival in Gelsenkirchen – Improvisierte Musik in NRW 09/24

Beim dritten Mal wird‘s Tradition: Das New Colours Festival setzt unter dem diesjährigen Motto „Vielfalt statt Einfalt“ auf programmatische Breite. Jazz heißt der Leitfaden, aber Pop, Klassik, Weltmusik, Rock, Folk oder Ambient sind damit nicht abgemeldet. Hinzu tritt die internationale Zusammenstellung von Solisten und Bands – keine Stars der Hallen-füllenden Pop-Ikonen, sondern kleine und feine Projekte auf gleichbleibend hohem Niveau, gern experimentell und innovativ, lokal platziert an eindrucksstarken Spielstätten der Stadt Gelsenkirchen. Es klingt beinahe wie eine Lightversion des Moers Festivals in seinen besten Tagen, allerdings mit Rücksicht auf ein noch zu gewinnendes Publikum – die ganz harte Peitsche freier Improvisation darf gern draußen bleiben. Das ist schon ein bemerkenswertes Kunststück, einen solchen Mix aus leicht hörbaren und sogar anregenden zeitgenössischen, Jazz-verliebten Spielarten zu einem sehr bunten Programm im Ruhrgebiet zu versammeln. 

Die Eröffnungsfanfare bläst der norwegische Tubist Daniel Herkskedal, hochemotionale Sphärenmusik mit typisch nordischer Weite. Auch die Vampires aus Australien haben Platz im Land, setzen aber eher auf gute Laune und brav gesetzte Bläsersätze. Eine herrliche Fusion von Akkordeon, Sitar und „Vocal Percussion“ (mit der Stimme erzeugte Perkussionsklänge) verbindet das Duo Biondini & Falschlunger, ein Team aus Italien und Österreich, jetzt in der spektakulären Maschinenhalle im Nordsternturm.

Drei Klaviertrios weihen die Hauptspielstätte des Festivals ein, auf Schloss Horst wird die mögliche stilistische Vielfalt in dieser edlen Kleinzelle ermittelt. Eine außergewöhnliche Begegnung des Ausnahme-Saxophonisten Roger Hanschel mit String Thing, einem Streichquartett mit nur einer Violine, aber dafür Kontrabass, öffnet bei freiem Eintritt das Musiktheater im Revier zu einem Nachmittagskonzert.

Das Wort Chartplatzierung fällt erstmals bei der Nujazz-Band „Club des Belugas“. Beim Abschlusskonzert in der Heilig Kreuz Kirche treffen sie sich mit den Sängerinnen Anna-Luca & Maya Fadeeva – erstmals bei einem Gig gemeinsam auf einer Bühne, im Jazz eigentlich nicht selten. Aber hier geht es um Elektro-, Lounge- und Nujazz-Stile mit brasilianischen Beats und amerikanischem Black Soul – ungewohnte Sounds im sakralen Ambiente. 

3. New Colours Festival | 12.9. - 15.9. | div. Orte in Gelsenkirchen | 0209 97 26 66 77

Olaf Weiden

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