Das musste mal gesagt werden: Ampelfrauen sind unterrepräsentiert im Straßenverkehr. Wobei eine Debatte um deren mangelnde Präsenz in den Vorstandsetagen noch aussteht. Doch im Ernst: Das neue Jahr fängt gut an. Zum Beispiel mit Torsten Schlosser, der am 5. Januar im Atelier Theater droht: „Ich bin kurz davor dieses Programm abzubrechen.“ Dabei darf er das überhaupt nicht, weil sein Regisseur ihm das strengstens verboten hat. Aber man muss nicht alles glauben, was der Mann auf der Bühne erzählt. Zum Beispiel, dass er inzwischen unabhängig ist von sämtlichen Stromanbietern dieser Welt. Er betreibe sein eigenes Kernkraftwerk mittels eines Hamsters im Rad, also ökologisch einwandfrei.
Dass Schlosser einen ganz eigenen, politisch nicht immer einwandfreien Humor besitzt, ist die eine Sache. Die andere, dass er ein Showtalent ist, dessen Parodien auf die Fernsehunterhaltungs-Maschinerie man nur zu gerne zuschaut. Der in Köln lebende Komiker hat vor nichts keine Angst, verletzt mit offensichtlicher Wonne Tabus wie Kinder-Bashing, macht sich über den Preis-Regen im Kleinkunst-Bereich lustig und kann sehr schön Gewitter-Geschichten erzählen. Kurz: Schlosser haut auf die Zwölf, dass die Funken nur so sprühen – und keineswegs in der Steckdose verschwinden.
Es gibt viele – und vor allem widersprüchliche – Forschungsergebnisse über den Mann in der Midlife-Crisis: Mark Britton ist ihnen mit „Forever Jungs“ (am 23. Januar im Senftöpfchen) auf der Spur. Anders gesagt: Er kann aus seinem eigenen, reichen Erfahrungsschatz über „das merkwürdige Verhalten von Männern in der Lebensmitte“ berichten. Mit englischem Humor und in deutscher Sprache kommt alles aufs Tapet, was den angereiften Homo sapiens umtreibt. Und das ist eine Menge: zu alt für Rock’n’Roll, aber zu jung für Wassergymnastik. Der Blick in den Spiegel lässt keinen Zweifel daran aufkommen, dass der Alterungsprozess unaufhaltsam fortschreitet: Der Verlust des Haupthaares hinterlässt tiefe Spuren in der Selbstwahrnehmung.
Die angeblichen Beweise dafür, dass die Krise in Wirklichkeit gar nicht existiert – ein trainierter Körper, ein reges Sozialleben, jugendliche Kleidung, eine militant-sonnige Einstellung, eine pulsierende Karriere, ein wohlwollendes Universum – seien in Wirklichkeit eine ausgeklügelte Verteidigungsstrategie gegen jeden Gedanken, der die Realität des Alterns und des nahenden Todes beträfe, glaubt der in Großbritannien aufgewachsene Comedian, der den Deutschen – zunächst als Duo Nickelodeon – seit Anfang der 90er Jahre zeigt, was Slapstick ist: die Kunst, präzise und mit genau austariertem Timing in sämtliche Fettnäpfchen zu treten, die das Leben bereit stellt.
Der Autor Lenz Prütting („Homo ridens. Eine phänomenologische Studie über Wesen, Formen und Funktionen des Lachens“) würde das, was der Brite beim Publikum auslöst, als Bekundungslachen bezeichnen, ein Lachen, das aus dem Einzelnen herausbricht und eine befreiende Wirkung hat. Kichernd oder lauthals prustend, gickelnd und gackernd, sich ausschüttend oder losbrüllend, den Bauch haltend oder in einen Lachkrampf fallend, verwandelt sich der typische Britton-Zuschauer in ein Wesen, dem die Fassung abhanden gekommen ist. Und das ist gut so, möchte man hinzufügen. Oder um es in Abwandlung mit Wittgenstein zu sagen: Worüber man nicht reden kann, darüber muss man lachen. Der Mann in seiner zweiten Pubertät macht es uns leicht – schwört wie immer hoch und heilig die Ihnen stets ergebene
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