Die „Comedia“ ausverkauft, der Theatersaal in tiefes Dunkel getaucht, betreten fünf Vollblutmusiker die Bühne, um sich zunächst mal warm zu spielen. Die ersten beiden Titel plätschern entspannt vor sich hin, das Publikum honoriert dieses betuliche Entrée mit höflichem Applaus. Die Meriten wollen sich an diesem Abend erst noch verdient werden!
Dann folgt mit „High Speed Train“, der wie das Gros der Setlist von dem mit Kritikerlob überhäuften Album „Men in Blues“ stammt, ein erstes Highlight: Die im Blues immer wieder gern gehörte Geschichte von Nachhause-Kommen wird in einen treibenden Flow gekleidet, der den beiden Ausnahmegitarristen Bargel und Heuser ausreichend Gelegenheit bietet, ihre Fingerfertigkeit unter Beweis zu stellen, ohne sich selbst zu beweihräuchern. Und genau hier zeigt sich die besondere Finesse des Duos, wie die sich nun anschließenden Songs immer aufs Neue beweisen: Auf Basis der Standards von Blues und Artverwandtem wird instrumentale Könnerschaft eingeflochten, ohne dass sie sich unsachdienlich aufdringlich gerierte.
Der weitgehende Verzicht auf den Rückgriff in die Blues-Mottenkiste spricht für das Selbstverständnis der beiden Musiker, aus eigener Feder neue Songperlen zu erschaffen. Perlen, die sie mit sichtbarer Freude zelebrieren, so dass ein klassisches Lamento wie „How can I go on?“ nicht einen Takt lang in Plattitüden abzurutschen droht. Auch brechen Bargel und Heuser mit kraftvoll rockigen Passagen oder einem Reggae („Wrinkles and Scars“) mit den Erwartungen von Blues-Puristen, von denen sich aber wohl nicht allzu viele in der „Comedia“ aufgehalten haben dürften: Zu frisch und eigenständig entfalten Ansatz und Umsetzung eine durchaus als innovativ zu klassifizierende Form konzertanten (Kammer-) Blues.
Leider mag der Funke bis kurz vor Konzertende nicht so recht überspringen. Das mag auch von den teilweise ausführlichen und launigen Ansagen herrühren, die allzu bemüht immer wieder mit dem fortgeschrittenen Alter von Musikern und Zuhörern kokettieren. Wie soll denn das Publikum aus sich herausgehen, wenn ihm zuvor bescheinigt wurde, dass in einem Altenheim „mehr los“ (Heuser) sei? Erschwerend kommt das minutiöse Korsett des Ablaufs hinzu: Punkt Acht beginnt es, um Punkt Elf hat es aufzuhören. Für Spontanietät bleibt da wenig Raum. Das gesamte Konzert (sic) leidet unter einer Präzision, die zu sauber intoniert, unterkühlt bis steril dasjenige völlig ausschließt, was den Blues doch genuin auszeichnet: Verzweiflung, Schmerz, Improvisation. Anders gesagt: Der „Rotz“ fehlt.
Doch wenn zu guter Letzt die Gitarren in einen intimen Dialog treten und auch die Band ihre Solo-Qualitäten einbringen darf (so ansonsten Sascha Delbrouck am Bass variabel Akzente setzt, Schlagzeuger Marcus Rieck treffsicher ans Wesentliche appelliert und Matthias Krauss am Keyboard wohlige Chords beisteuert), dann dürfte niemand verkennen, einem hochwertigen Musikevent beigewohnt zu haben. Bis zum nächsten Mal, dann bitte mit etwas mehr Dreck am Plektrum.
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