Vor Jahren waren Stars wie Placido Domingo oder Cheryl Studer regelmäßig zu Gast an der Oper der Bundeshauptstadt Bonn. Marcus Carl, seit 2023 Operndirektor in Bonn, möchte an diese Zeiten anknüpfen. Dank ausgezeichneter Beziehungen – Carl hat 25 Jahre lang als Agent gearbeitet – kann er für ausgewählte Abende des italienischen Repertoires ein Staraufgebot an den Rhein holen, bei dem größere Häuser wie Köln und Düsseldorf „kurz die Luft anhalten dürfen“, so die Webseite der Oper Bonn. Den Anfang macht am 6. November Anna Netrebko in Roland Schwabs ambitionierter Inszenierung von Giuseppe Verdis „Nabucco“. Klar, dass solche Gala-Abende ihren Preis haben. Für Netrebkos Auftritt liegen die wenige Restkarten zwischen 276,40 und 96 Euro. Ihr zweites Gastspiel in Puccinis „La Bohème“ ist bereits ausverkauft.
Die Oper Bonn zeigt sich gerade höchst zufrieden mit ihrer Auslastung. Sie liegt nach Carls Angaben bei 85 Prozent – und das trotz einer Uraufführung, der nicht besonders gut besuchten „Frau ohne Schatten“ und der unbekannten „Die Ameise“ des (zu Unrecht) ebenso unbekannten Peter Ronnefeld. „Im ‚Nabucco‘ hatten wir bei 14 Vorstellungen 99 Prozent Auslastung“, rechnet Carl, der als Castingdirektor die Engagements verantwortet, vor.
Für ihn steht fest: Das Publikum kommt wegen der Sänger in die Oper. „Die Leute spüren, wie guter Gesang klingt.“ Die Gäste sollen auch keinesfalls bewährte Kräfte aus dem Ensemble verdrängen. Im Gegenteil: Die Sänger am Haus freuen sich auf die renommierten Kollegen, die ihnen womöglich auch zeigen, dass sie selbst nicht so weit von der Weltspitze entfernt singen.
Wer kommt? Freddie de Tommaso, einer der führenden italienischen Tenöre, singt am 10. Januar 2027 Rodolfo in „La Bohème“ und am 7. und 9. Juli in Puccinis „Tosca“. Der chinesische Tenor Long Long ist am 22. Januar als Rodolfo zu hören. Jonathan Tetelman will am 16. April Mimís „eiskaltes Händchen“ wärmen. Am 30. Juni düpiert Adam Smith als Cavaradossi den durchtriebenen Scarpia in „Tosca“, während in Giuseppe Verdis „Aida“ Sopranistin María José Siri Arena-Gefühle wecken wird (9. April), der Bariton Ambrogio Maestri dem Amonasro Gewicht verleiht (28. April) und die Tenöre Riccardo Massi (28. April) und Arturo Chacón-Cruz (6. Mai) mit hinreißendem Schmelz der Welt Lebewohl sagen.
„Weltstars in Bonn“ | 6.11.2026 bis 20.07.2027 | Oper Bonn | www.theater-bonn.de/de/weltstars
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