
Seit 1992 gibt das Medienprojekt Wuppertal Jugendlichen eine Stimme: Menschen im Alter von 14 bis 28 Jahren erhalten kostenlos die technische Ausstattung, die sie benötigen, um selbständig eigene Videos drehen zu können. Gut 200 Kurzfilme produziert das Projekt jährlich, die über Social Media, Kinovorführungen und das Filmmagazin Border Lines jeweils 5.000 bis 8.000 Zuschauer:innen erreichen. Die Jugendlichen sind hierbei ausdrücklich Expert:innen in eigener Sache. Anstatt ihnen inhaltliche oder stilistische Vorgaben zu machen, lässt das Betreuungsteam ihnen freie Hand. Manche der Kurzfilme sind dokumentarisch, andere fiktiv, wieder andere animiert. Sie alle bilden ab, was junge Menschen bewegt.
„Durch ihre Filme und deren öffentliche Präsentation bekommen Jugendliche eine selbstbewusste Stimme und eine gesellschaftliche Partizipation“, sagt Andreas von Hören, der Geschäftsführer des Medienprojekts. Über ihre Filme sprechen die Jugendlichen im doppelten Sinn: Sie wählen die Darstellungsform und kommen über den Kinobesuch, der für alle unter 28-jährigen kostenlos ist, mit anschließenden Podiumsdiskussionen ins Gespräch. Das Kino als Ort für Kultur und Begegnung spielt für von Hören eine entscheidende Rolle: So entstehe eine entscheidende, demokratische Beteiligung am gesellschaftlichen Diskurs. Politik bedeute eben nicht nur, von oben nach unten zu entscheiden und sich von unten nach oben zu beschweren – sondern auch mitzureden.
In die Gesellschaft hineinwachsen
Viele der Filme widmen sich Grundfragen des Erwachsenwerdens. Dazu zählen auch Sex und Gewalt – Aspekte des menschlichen Miteinanders, die das Medienprojekt als „kreativ unerschöpflich“ hervorhebt. Es sei nicht verwunderlich, dass diese Themen bei Jugendlichen besonders beliebt seien, so von Hören, schließlich prägen sie seit Jahrzehnten das Kino mit dramatischen und konfliktreichen Geschichten. Zudem bilden sie die Lebenswirklichkeit junger Menschen ab, die noch in die Gesellschaft hineinwachsen.
Moderner Patriotismus
Wichtig für die Projekte ist auch, Menschen sichtbar zu machen, die in Film und Fernsehen unterrepräsentiert sind. In Wuppertal bedeutet das vor allem: kulturelle Vielfalt sichtbar machen. Der Integrationsmonitor 2025 ergab, dass 44,5 Prozent der Wuppertaler:innen eine Migrationsgeschichte haben, unter Kindern und Jugendlichen ist der Anteil sogar noch höher. Gerade hier sieht von Hören eine Chance: „Filmkunst empowert junge Menschen, insbesondere stigmatisierte oder diskriminierte Menschen.“
Demokratischer Islam
Zwei aktuelle Projekte setzen sich mit Demokratie auseinander. Die Filmreihe „Stolz auf Deutschland“ beschäftigt sich mit der Idee der Vaterlandsliebe und fragt, wie ein moderner Patriotismus in einer vielfältigen Gesellschaft aussehen könnte – auch vor dem Hintergrund einer möglichen Wehrpflicht. In „Was wir glauben“ wiederum geht es um den demokratischen Islam, um dessen Facettenreichtum und die teils autoritären und patriarchalen Auslegungen der Weltreligion. Wie bei allen Filmreihen des Medienprojekts steht dabei weniger eine Lösung der aufgezeigten Probleme im Vordergrund, als vielmehr deren ästhetische Artikulation. Filme zu schauen und zu produzieren bedeutet für von Hören, sich wahrzunehmen und zu akzeptieren. „In den Filmkunstprojekten zur politischen Bildung geht es um Selbstermächtigungsprozesse ohne Gewalt und Abwertungen, in denen die gesellschaftliche Diversität der Meinungen und Hintergründe akzeptiert und integriert wird“, so der Medienpädagoge. „Das ist Demokratiebildung gegen Rechtsextremismus und autoritäre Machtbestrebungen, weil Filmkunst bewegt.“
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