„Schauen Sie sich an, was letzte Nacht in Schweden passiert ist!“ Ein Zitat Donald Trumps aus einem Fernsehinterview wird zum Auslöser eines Theaterabends. Die Antwort auf eine Frage um syrische Flüchtlinge und die Sicherheit im Land irritierte vor allem, weil nichts passiert war, in Schweden. Nach den fälligen Ikea-Witzen bei Twitter erklärte Trump ebenda, er habe sich auf eine Nachrichtensendung von Fox bezogen. Anlass genug für Regisseur Guido Rademachers, das Verhältnis von Wahrheit und Inszenierung auf der Bühne zu hinterfragen. Eine antike Dramen-Parallele zur Jetzt-Zeit ist auch schnell gefunden: Der gefesselte Prometheus ist dem übermächtigen Zeus hilflos ausgeliefert und kann nur abwarten, bis dessen Herrschaft zusammenbricht. Vergleichbar mit heute, meint Rademachers gleich am Anfang in einer nachgestellten, also gefakten Probensituation.
Auf der Bühne dann zwei Schauspieler, die fließend von Aischylos ins Heute wechseln: Fiona, „Königin der Metamorphosen“ (Fiona Metscher) und Anton Schieffer als Pantomime. Es beginnt ein Spiel mit räumlichen und filmischen Illusionen. Fiona gelingt ein Ausbruch in den Zuschauerraum, wo sie sich diesem Spiel Theater erst bewusst wird. „Wie werde ich von Ihnen konsumiert?“ Furios gelingt die Kritik der realen Lebensverhältnisse der Schauspielerin zwischen Selbstverwirklichung und dem geforderten „agilen Leadership“. Mit dabei ist immer die Kamera. Live-Aufnahmen (Kai Gusseck) sind auf drei Monitoren oder der Leinwand zu sehen: unsere mediale Überforderung jetzt auch auf der Bühne. Die Nacherzählung der „Night in Sweden“ ähnelt dann eher schulischem Medienunterricht, in dem allerdings nichts dazu lernt, wer täglich Newsfeeds und Trumps Twittereskapaden verfolgt. Am Ende tritt FWT-Chef Gerhard Seidel als Conférencier auf und erklärt alles zu Varieté, Unterhaltung und Wrestling. „Die Show ist besser als die Wirklichkeit“: Ein verzweifelter Versuch, alles doch nur als Erfindung, als Fake erscheinen zu lassen. Das klappt so nicht, aber wir haben uns trotzdem unterhalten.
„Last Night in Sweden“ | R: Guido Rademachers | 1., 20., 22.10., 9.11. 20 Uhr | Freies Werkstatt Theater | 0221 31 80 59
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