Die junge Migrantin Leila irrt als Heimatlose durch die Welt, hat ihr Zuhause gleich in doppeltem Sinn verloren, auch weil ihr Vater die Familie verlassen hat. Ersatz findet sie rästelhafterweise in George, einem alten heruntergekommenen Säufer. Penetrant sucht sie seine Nähe, schläft mit ihm, will ein Kind von ihm – er dagegen nutzt sie nur aus. Leila freundet sich mit dem kleinen Sohn der alleinerziehenden Nachbarin Sibylle an. Doch eine Lösung findet sie auch dort nicht.
Azar Mortazavis Stück „Ich wünsch mir eins" schildert mit so poetischen wie drastischen Mittel den Vorgang einer Entfremdung. Realismus muss dafür nicht unbedingt die Lösung sein, das zeigt die Inszenierung von Sandra Reitmayer am Theater der Keller. Sie hat das Stück zu einem Dialog zwischen Leila und George entkernt, die sich locken, prügeln und die sich ausnutzen und trotzdem immer noch Sehnsucht haben. George ist bei Arno Kempf ein versoffenes, heruntergekommenes Kraftpaket in Fellweste, der mit Bierdosen auf Sandsäcken hockt, sich verbunkert hat. Seine Begegnung mit Leila, die zunächst hinter einer bühnenfüllende Zielscheibe mit Durchschusslöchern sich verbirgt, könnte merkwürdiger nicht sein: Pia-Leokadia Bucindika trägt eine Mischung aus Brautkleid und Ballerinentütü, tänzelt herein als eine unberührbare Olympia mit puppenhafter Gestik.
Es ist ein Hochseiltanz zweier Beziehungsautisten, zwei Unberührbare, deren Gesichter sich verzerren, wenn sie sich zu nahe kommen. So wie George sich in seine Welt des Stellungskriegs flüchtet, so Leila in ihre Kinderwunschtraumwelt mit Bambi, das vorne links an der Rampe steht. Paradieswelten, musikalisch untermalt von dem Bassisten Stefan Schönegg mit Rabenmaske.
Doch allmählich versteift sich die Inszenierung in ihrer Idee der Traumwelten, vor allem Leila wirkt zu hermetisch verkapselt, ihre Beziehung zu George verkümmert zum Traumgespinst und verliert so auch ihr verstörendes Moment – auch wenn die beiden am Ende gemeinsam auf den Sandsäcken sitzen und Leila schließlich den Brautschleier abwirft. Eine Prise mehr Realismus könnte nicht schaden.
„Ich wünsch mir eins" | R: Sandra Reitmayer | Theater der Keller | 28.12. 18 Uhr, 2.1., 16.1., 21.1. je 20 Uhr | 0221 27 22 09 90
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