„Ich weiß nicht, wie wir 20 Jahre überlebt haben“, sagt Volker Lippmann, Leiter des Theater Tiefrot. Das ist keine Koketterie, sondern bitterer Ernst. Eine kontinuierliche Förderung für die kleine Bühne in der Dagobertstraße gab es nur für vier Jahre. Und auch der Mietkostenzuschuss blieb zeitlich begrenzt. Theater machen kann man davon letztlich kaum. Und auch die Corona-Zeit war für das Haus, das vornehmlich von seinen Einnahmen und privaten Förderbeträgen lebt, kein Zuckerschlecken. Im März musste der Spielbetrieb zudem komplett eingestellt werden, weil das Hotel, in dessen Keller das Theater Tiefrot eingemietet ist, umgebaut wird. Für den 70-jährigen Volker Lippmann lautet die kämpferische Konsequenz aus all diesen Widrigkeiten schlicht: „Ich mache weiter, ich bin fitter denn je.“
Zum 20-jährigen Bestehen im April schenkt Lippmann seinem Publikum eine Inszenierung von „Der Hauptmann von Köpenick“ von Carl Zuckmayer. Wer jetzt die Nase rümpft, sollte noch mal genau in seiner Erinnerung kramen: Ja, das 1931 verfasste Stück ist gut gemachtes Unterhaltungstheater. Es geht um den Schuster Friedrich Wilhelm Voigt, der sich eine Hauptmannsuniform beschafft und damit die Stadtkasse von Köpenick beschlagnahmt. Dabei nutzt er den Militarismus und die Obrigkeitsgläubigkeit der Deutschen für seine Scharade gnadenlos aus. Doch die Militärklamotte interessiert Volker Lippmann nicht. Mit Gruseln habe er sich verschiedene rührselige Verfilmungen angesehen. „Ich versuche, das politisch zu machen“, so Volker Lippmann. Die Scharade sei nämlich nur Mittel zum Zweck: Letztlich will der obdachlose Voigt nicht Geld klauen, sondern eine Aufenthaltserlaubnis, damit er endlich arbeiten kann – im Jahr 1931 bitterste Realität. „Das sind die Themen, die mich interessieren“, sagt Volker Lippmann und verweist auf den Teufelskreis von Flüchtlingsstatus, Aufenthaltsgenehmigung und Arbeitserlaubnis heute. Zuspitzen will er den politischen Aspekt noch dadurch, dass er selbst zwar den Hauptmann spielt, alle anderen Rollen aber ausschließlich mit Frauen besetzt. Volkstümlichkeit und Militärkitsch sollen so unterlaufen, die Klippen der Klamotte umschifft werden. In Kriegszeiten wie diesen wäre das auch kaum vorstellbar.
Der Hauptmann von Köpenick | R: Volker Lippmann/Klaus Wirbitzky | 16., 17., 20.-22., 27., 29., 30.4. | Theater Tiefrot | 0221 460 09 11
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