Zu technoiden Klängen des Kölner Musikduos Koxette zerfetzen Stroboskopblitze Dr. Frankensteins Seele und Haushälterin Justine wird ans Schafott geliefert. In Mary Shelleys 1818 veröffentlichtem Grundstein der Schauerliteratur verbinden sich Erfindertum und Größenwahn zur traurigen Warnung. Doch Kieran Joels „Frankenstein“ fokussiert nicht den modernen Prometheus selbst. Vielmehr seziert die Inszenierung im Fluss eines multiperspektivischen Duetts menschliche Krisenmomente und psychologische Konflikte in den Nebensträngen des Textes – was einen großen Anspruch ans Vorwissen des Publikums stellt. Insbesondere die weiblichen Figuren, jene als an- und gutmütig beschriebenen Motivatorinnen männlicher Taten, finden dabei ihre Stimme.
Mitleiderregend ist hier vor allem, dass die Figuren der patriarchal organisierten Romanwelt ihre Isolationen nicht überwinden können. Für seine feministische Lesart setzt Joel auf Maike Johanna Reuter und Laina Schwarz – für beide das erste Engagement im Theater am Bauturm. Die Schauspielerinnen sprechen in ausfransenden Monologfragmenten, mal chorisch, mal als innere Stimme der jeweils anderen und dann wieder für sich selbst. Ihre Performance ist so bemerkenswert wie verwirrend. Auf einer Metahandlungsebene, die über Video eingespielt wird, protestieren die beiden gegen die männliche Instanz im Regiestuhl. Umso deutlicher wird dadurch, dass die Produktion, ähnlich Shelleys Geschichte, Produkt eines Gedankenaustausches ist. Für mehr Solidarität und die Kraft des Kollektiven, gegen Entfremdung und Geniekult.
„Frankenstein“ | R: Kieran Joel | 1.11. 20 Uhr, 2.11. 19 Uhr, 3.11. 18 Uhr, 17. - 19.12. je 20 Uhr | Theater im Bauturm | 0221 52 42 42
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