Auf diese Ausstellung musste man lange, sehr lange warten. Tata Ronkholz gehörte zu den frühen Studenten von Bernd Becher an der Düsseldorfer Kunstakademie. Ihr fotografisches Werk passt in den Kanon der Düsseldorfer Fotoschule um Gursky, Höfer und Struth und wurde schon frühzeitig bei Gruppenausstellungen berücksichtigt. Aber dann geriet es irgendwie in Vergessenheit, ohne je ganz vergessen zu sein. Mittlerweile wird es in großen Teilen vom Van Ham Art Estate in Köln betreut – und jetzt, in der Photographischen Sammlung, wird es erstmals in seinen Facetten aufgefächert, derart, dass in der Ankündigung von einer Retrospektive die Rede ist. Aber warum erst jetzt? Tata Ronkholz (1940-1997) war zunächst als Möbel- und Produktdesignerin tätig, ehe sie sich mit Mitte 30 der Fotografie zuwandte. Auch ist sie früh gestorben. Ihre Aufnahmen sind ausgesprochen unspektakulär. Sie zeigen alltägliche urbane Orte, vorwiegend Architektur, in abtastender Distanziertheit. Menschen kommen (fast) nicht vor, nur selten Autos oder Fahrräder, die Ansichten befinden sich in gleichmäßiger Helligkeit regelrecht außerhalb jeder Zeit. Dazu sind sie überwiegend schwarzweiß und kleinformatig.
Am bekanntesten ist ihre Serie von Imbissbuden und Trinkhallen im Rheinland. Ronkholz hat die „zugepflasterten“ Fassaden und Fensteröffnungen mit ihren Schriftzügen, mit den Wimpeln, Auslagen und Zigarettenautomaten mit Abstand, aber nur wenig Umraum aufgenommen. Im typologischen Vergleich und zumal mit dem zeitlichen Abstand besitzen diese Fotografien noch eine dokumentarische Note, die auf Alltagskultur und gesellschaftliche Konventionen verweist. Zugleich stellt sich ein leicht humorvoller nostalgischer Ton ein.
Die anderen Serien zeigen Architekturdetails u.a. in der Toskana und Paris, Einzelhandelsgeschäfte oder die Schaufenster von Tapetengeschäften. Ausgestellt sind auch die Industrietore, bei denen die Stäbe und Zäune die Weite dahinter strukturieren und eine Grenze schaffen, die durchlässig ist. Zentriert aufgenommen, setzt sich die Straße hinter dem Gatter fort. Gemeinsam ist allen diesen Serien das Interesse daran, wie der Mensch im urbanen Raum seine Lebenswirklichkeit gestaltet und wie sich bestimmte Prinzipien der architektonischen Konstruktion bewähren.
Erhellend sind dazu die Fotografien zum Düsseldorfer Rheinhafen, den Tata Ronkholz als gemeinsames Projekt mit Thomas Struth 1979 bis 1981 aufgenommen hat. Während Struth in seinen Aufnahmen das Ganze zeigt und die Umgebung einbezieht, fokussiert Tata Ronkholz, wie das einzelne Gebäude und die Industrieanlagen im Detail beschaffen sind. Also: Wie Strukturen den Ort gliedern und einer übergeordneten Systematik folgen und wie sich eine ganz eigene Ästhetik aus Klarheit, beiläufiger Schönheit und Funktionalität einstellt. – Aufschlussreich ist übrigens gleich zu Ausstellungsbeginn ein Schwarzweiß-Porträtfoto, das Arno Jansen 1988 aufgenommen hat. Tata Ronkholz sitzt, die Beine übereinandergeschlagen, mit konzentriertem Blick im von ihr gestalteten Sessel, dessen Schwarzweiß -Raster in ihrer Kleidung verwandelt wiederkehrt: Die Ordnung und Kontrolliertheit sind überall.
Tata Ronkholz – Gestaltete Welt | bis 13.7. | Die Photographische Sammlung / SK Stiftung Kultur | 0221 88 89 53 00 | ab 20.5. | Zander Galerie | 0221 934 88 56
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