Überall Schmetterlinge. Ein stetes Steigen und Niederschweben von Flügeln ist den Besucher:innen der Galerie R;68 so gewiss wie die Erinnerung ans Vergehen und Neuentstehen. In ihrer ersten Soloausstellung „Butterfly in the stomach“ (ver)führt Sarah Caillard mit kleinformatigen Malereien und menschengroßen Skulpturen ins Zwischendasein der Metamorphose. Sowohl detailverliebt als auch mit Affinität zum Unperfekten entfaltet die französische Künstlerin das Faszinosum Leben als stete Transformation in den Räumlichkeiten der Stätte für zeitgenössische Kunst. Starr, dunkel, rau und kalt neigen sich die Körper aus Stahlbeton, lassen sich von der Gravitation herunterziehen, brechen, versinken in der Erde, nähren den Ur-Grund, während der lange Schlaf anderer Geschöpfe endet, um neuen Gestirnen gewahr zu werden. Von der scheinbar leblosen, schwerfälligen Raupe zum himmelsstürmenden, farbenprächtigen Insekt sind es bei Caillard nur wenige Schritte. Gleichzeitig straffen sich in den Innenwelten schillernde Segel: Röntgenaufnahmen erleuchten körperliche Abgründe, im Halbschlaf rotieren sie als euphorisierter Hochzeitsreigen, aus den Augen quellen ihre flüssigen Schatten, um ein Meer aus Traurigkeit zu entlassen.
Die filigranen und – unabhängig ihrer physischen Beschaffenheit – verwundbaren Arbeiten pendeln zwischen Erinnerungen und Zukunftssehnsüchten, unendlicher Identitätssuche und endlicher Auflehnung im Ringen um Zeit. Fundamente und Auskleidungen erschafft Caillard sowohl hauchzart-berauschend als auch robust mittels Alkoholtinte, Ölstiften und Acrylfarben auf Seide oder Stahlbeton, Faser, Mikroperlen, Carborundum und Harz. „Butterfly in the stomach“ ist als stille Symphonie der Psyche erdacht, die mit gedämpften Blasinstrumenten, ausklingenden Violinen, weitentfernten Pauken und einem träumenden Piano in Höhlen, Schluchten oder auf unberührten Waldlichtungen spielt.
Das versteckte Ruttkowski68 auf der Bismarckstraße eignet sich dafür als Spielort eines Kammerorchesters aus Wind, ruhigem Atem, dem Duft von aufgewühlter Erde, leicht knarrendem Holzboden, verträumtem Licht und ein wenig Gliederknirschen. Das Vermächtnis einer Vor-Existenz ist in manchen Winkeln spürbar. Zeit zu fliegen.
Sarah Caillard: Butterfly in the stomach | bis 4.10. | R;68 | www.ruttkowski68.com
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