Elvis Costello sagt über den kanadischen Songwriter Ron Sexsmith: „Ron ist so ein bisschen aus der Zeit gefallen. Ich finde, er hat Zugang zu den pursten Melodielinien seit Paul McCartney. Das klingt weit hergeholt, aber für mich ist es so.“ Wenn ich eine seiner Platten auflege (1995 erschien sein selbstbetiteltes Debüt, im letzten Jahr mit dem 17. Album „Hangover Terrace“eins seiner allerbesten), denke ich nicht an Ecken und Kanten, sondern an rundere Formen; sein Gesang scheint wie ein Skifahrer, die Spur der oft vertrackten Melodiebögen zu halten. Wie er das macht? Er wache mit Melodien im Kopf auf, erzählte er mir in einem Interview im Jahr 2017. „Und dann bekam ich einen Plattenvertrag in den 90ern, ausgerechnet in einer Zeit, in der die Melodien ins Hintertreffen gerieten. Ich fühlte mich sehr aus der Mode. Anderseits gab es immer Leute wie Paul McCartney, die die Melodien raushauten. Ich finde, Melodie ist wie eine Erweiterung deiner Seele. Ich stamme aus einer Commonwealth Country, also habe ich die Melodien aus Europa oder Großbritannien und den Folk aus Nordamerika."
Ron Sexsmith ist kein dezidiert politischer Künstler. Doch während seine Lieder Mitgefühl und Menschlichkeit atmen, umgeben ihn wie uns narzisstische und xenophobische Tendenzen in Gesellschaft und Politik. Der Aufstieg nationalistischer Stimmungen beunruhigt ihn, manchmal wird er auf seiner Bluesky-Seite (er begann damit auf Twitter) politisch. „Aber ich denke einfach, Menschen sind grundsätzlich besser, als man glaubt. Und dies ist keine Zeit für Engstirnigkeit, sondern mehr denn je für Liebe. Und das belächeln viele Rechte, dieses Love and Peace-Ding, aber es ist einfach a better way to be, you know.“
In seinem Song „Radio“, einer flotten und süffigen Nummerauf dem 2017er Album „The Last Rider“,beklagt er das langsame Verschwinden der klassischen Popkultur à la 50er Rock'n'Roll, 60er Pop und 70er Songwritertum („hey've picked all the berries that grew on Blueberry Hill“) in einem vielschichtigen, teils melancholischen, teils bitteren Text, der Kindheit, Ideale, Radio, Pop und seinen Kommentar zu besagten dystopischen politischen Tendenzen mit leichter Hand verbindet. Es ist der gebündelte Ron Sexsmith, in 2:43 Minuten. In his own time.
Ron Sexsmith | Do 20.8. 20 Uhr | Kulturkirche, Köln | kulturkirche-koeln.de
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