choices: Herr Uslucan, ist der Islam in NRW eine wichtige Religion?
Haci-Halil Uslucan: Im Ruhrgebiet beispielsweise leben etwa eine Million Türken, davon sind der überwiegende Teil Muslime. Hinzu kommen Migranten aus Bosnien und aus arabischen Ländern. Für viele hier ist diese Religion nicht nur ein Lippenbekenntnis, sondern die Menschen praktizieren auch ihren Glauben.
Die Kirchen leeren sich hierzulande. Hat der Islam vergleichbare Probleme? Der Islam hier wird zum größten Teil von Migranten gelebt. In der Emigration hat Religion eine ganz andere Bedeutung. Sie ist identitäts- und sinnstiftend. Religion kann erfahrene Kränkungen kompensieren. Deshalb kann man den Islam in der Diaspora nicht gleichsetzen mit dem Islam in seinen Herkunftsländern.
Gibt es Unterschiede zwischen verschiedenen Migrantengruppen? Natürlich, Perser, die in Deutschland leben, sind oft viel weniger gläubig als diejenigen, die im Iran leben. Es kommt darauf an, warum Menschen ausreisen. Perser in Deutschland sind oft sehr gebildete Menschen, die säkular orientiert sind.
Man sollte also nicht alle Muslime über einen Kamm scheren? Untersuchungen zeigen, dass die Unterschiede zwischen Migranten viel größer sind als zwischen verschiedenen Gruppen innerhalb der Mehrheitsgesellschaft.
Der Muslim eignet sich trotzdem als Feindbild? Gerade in letzter Zeit ist in den Medien viel gesprochen worden von der gescheiterten Integration von muslimischen Menschen. Die Entwicklung verläuft paradox. Wir wissen viel mehr über den Islam als vor 30 Jahren. Gleichzeitig wird der Islam als Projektionsfläche benutzt. Dabei haben sowohl Islam als auch Christentum mit denselben Problemen zu kämpfen, und zwar mit den Verlockungen des säkularen Lebens. Das einigt beide Religionen, auch wenn sie inhaltlich andere Schwerpunkte setzen.
Es mag die Angst des Westens vor dem Islam geben. Gibt es auch die Angst muslimischer Menschen vor dem Westen? Fromme und traditionelle Muslime haben Angst vor den Verlockungen des Westens. Deutlich wird dies am Beispiel der Sexualität. Die Nacktheit, die uns in den Medien regelrecht angafft, ist für jemanden, der ein anderes Schamempfinden hat, bedrohlich.
Zur Person
Prof. Dr. Haci-Halil Uslucan (45) ist Wissenschaftlicher Direktor des Zentrums für Türkeistudien und Integrationsforschung sowie Professor für Moderne Türkeistudien und Integrationsforschung an der Universität Duisburg-Essen.
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