Knud Fehlauer als Adoptiv-Papa Göran
Foto: Meyer Originals

Randale im Kinderzimmer

06. März 2012

Adoptionskomödie mit Speed in der Comedia – Theater am Rhein 03/12

Patrick ist nicht 1,5 – also anderthalb Jahre alt – sondern er ist ein 15-jähriger Teenager. Irgendjemand hat im Büro der Adoptionsstelle gepennt, das Komma übersehen, und dem schwulen Ehepaar Göran und Sven (Knud Fehlauer und Manuel Moser) für das ersehnte Baby einen aufsässigen Halbstarken (Luan Gummich) mit stattlichem Vorstrafenregister ins Nest bzw. ins plüschbärige Kinderzimmer gelegt. Zunächst kein Spaß, für keinen der drei Beteiligten. Aber ein Spaß für das jugendliche Publikum in der Comedia, das sich von Jens Dierkes Inszenierung der schwedischen Adoptionskomödie „Patrick anderhalb“ sogleich fasziniert zeigte.

Berührungsängste auf allen Seiten. Göran und Sven fürchten sich vor dem unberechenbaren Gewaltpotential, das in Patrick zu stecken scheint, während für Patrick der Anblick zweier knutschender Männer einen Horror darstellt. Jeder zeigt sich in den eigenen Vorurteilen gefangen und die Situation bleibt zunächst festgefahren. Jens Dierkes inszeniert sehr körperbewusst. Es wird heftig getanzt, gerauft und Blessuren bleiben auch nicht aus, wo Männer herzhaft miteinander in Beziehung treten. Schwul-Sein ist hier nicht nur eine rhetorische Geste, sondern es darf auch geküsst werden, realistisch und doch dezent. Das gelingt, weil jeder der drei Schauspieler seine Rolle maßgeschneidert ausfüllt und sich drei Charaktere entfalten.

Der Text von Michael Druker ist nicht auf einen doppelten Boden angelegt, die Dialoge sind dicht geschrieben, die Story entwickelt sich bedächtig aber unaufhaltsam voran und Druker findet auch ein kluges Ende für die Geschichte der drei Männer. Sie kommen sich näher, mögen sich letztlich über die Grenzen von Generation und Neigung hinweg, weil sie sich alle in den Rollen des Kindseins und Elternseins erleben. Mit den wechselnden Perspektiven gewinnt man Verständnis füreinander. Luan Gummich macht den Zorn des jungen Patrick spürbar, der sich als verlassenes, unverstandenes Kind schon in der Rolle des Ewig-zu-kurz-Kommenden einrichtet. Mit seiner handwerklichen Geschicklichkeit repariert er jedoch im Luxushaus der beiden Männer etliche Macken, die zunächst gar nicht aufgefallen sind. So entwickelt sich die Zuneigung zwischen Patrick und seinen potentiellen Adoptiveltern glaubwürdig und nicht als dramaturgisch bemühte Gesundbeterei. Für gute Stimmung sorgt vom Start weg die Musikauswahl von Ralf Rotterdam, und die Stephan Testis Bühne mit ihren großen Schwingtüren ermöglicht der Inszenierung einen eleganten Rhythmus. Ein Theatererlebnis nicht nur für Teenager.

„Patrick anderthalb“, ab 13 Jahren | R: Jens Dierkes | Comedia, Vondel Str. 4-8 | nächste Vorstellungen: 8.3. 11/19 Uhr, 9.3. 11 Uhr | Infos: 0221 888 777 333 | comedia-koeln.de

Thomas Linden

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