
Brandanschläge, Behördenversagen, rechter Terror, autoritäre Tendenzen, Rassismus, die berühmte Blindheit auf dem rechten Auge – das nimmt man in Wuppertal nicht einfach hin. Das Bündnis Wuppertal stellt sich quer (WSSQ) macht lautstark auf Missstände aufmerksam. Die Botschaft: Wegschauen ist keine Option.
Neustart aus der Empörung
WSSQ existiert seit Jahren, formierte sich Anfang 2024 neu, als die rechtsextreme „Remigrations“-Konferenz in Potsdam publik wurde. Die Aktiven sagten sich: Das darf in Wuppertal nicht unbeantwortet bleiben. Seither hat sich WSSQ als Plattform im Bergischen Land etabliert.
Das Bündnis vereint unter seinem Banner linke und antirassistische Initiativen, migrantische Selbstorganisationen, Einzelpersonen und Aktivisten und Aktivistinnen aus der autonomen Szene. „Viele von uns engagieren sich parallel auch in anderen Gruppen – etwa bei Omas gegen Rechts, bei Aufstehen gegen Rassismus oder in kurdischen Frauenvereinen“, sagt eine Sprecherin des Bündnisses.
Solingen, Normannenstraße, ein Justizskandal
Spätestens seit dem rechtsextremen Brandanschlag vom 25. März 2024 in Solingen, bei dem vier Menschen starben, wurde WSSQ zu einer Mahnstimme gegen institutionelles Versagen. Denn der Täter hätte längst hinter Gittern sitzen können. Bereits 2022 soll er in Wuppertal einen ähnlichen Brandanschlag verübt haben. Die Polizei ermittelte kaum, ignorierte Hinweise auf ein rechtes Motiv. Es wurde sogar polizeilicher Aktenvermerk mit dem Hinweis auf ein rechtes Tatmotiv nachträglich gelöscht. „Die Staatsanwaltschaft hat in diesem Verfahren eher als Verteidigung des Täters gewirkt“, sagen die Sprecherinnen.
Kein harter Kern – aber eine klare Haltung
WSSQ funktioniert anders als klassische Organisationen. Es gibt keinen Vorstand, kein Büro, kaum feste Strukturen – aber klare Grundsätze: antifaschistisch, antirassistisch, basisdemokratisch. Entscheidungen werden im monatlichen Plenum getroffen, die Kommunikation läuft oft informell. Trotz dieser Offenheit ist WSSQ wirksam. Im Januar und Februar 2024 mobilisierten sie zwei Großdemos mit zehntausenden Teilnehmenden. Sie veranstalten Mahnwachen vor dem Landgericht Wuppertal, beobachten den Prozess gegen den Solinger Brandstifter, verfassen Pressemitteilungen.
Die AfD ist nicht das einzige Problem
Zuletzt mobilisierte WSSQ zu einer Demonstration für ein Verbot der AfD. Am 28. Juni 2025 gingen wieder mehr als 1.000 Menschen auf die Straße, darunter teils hochrangige Vertreter und Vertreterinnen des Evangelischen Kirchenkreises, der Caritas oder Power of Color. Ein Parteiverbot allein löst das Problem nicht, das ist auch bei WSSQ klar. „Die Rhetorik, die von der AfD ausgeht, findet sich längst auch in der Mitte der Gesellschaft wieder – bei Söder, bei Merz, in Behörden und Gerichtssälen“, betont eine Sprecherin. Ein Verbot wäre trotzdem mehr als ein Signal. Es würde der Partei die Förderung durch Steuergelder sowie den Zugang zu sensiblen Daten und institutionellen Mitteln entziehen.
Darum geht es dem Bündnis auch um mehr: demokratiefeindliche Stimmungen, Repression gegen Geflüchtete, rassistische Polizeigewalt – die Themen sind vielfältig, die Perspektiven auch. Gerade das macht die Stärke von WSSQ aus: die Fähigkeit, verschiedene Kämpfe miteinander zu verknüpfen. Die Initiative fordert Rücktritte, benennt strukturelle Probleme beim Namen und konfrontiert Institutionen wie auch Täterinnen und Täter gleichermaßen. „Die eigentliche Arbeit liegt in der Aufklärung, im Widerstand gegen den gesellschaftlichen Rechtsruck.“ Auch wenn sich die Mitglieder von WSSQ nicht immer in allen Fragen einig sind – in diesem Punkt herrscht Konsens.
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