„Herzstück“ des Skulpturenparks am Konrad-Adenauer-Ufer ist die leicht hügelige Wiesenlandschaft mit Bäumen und Sträuchern, die verschattete Seitenwege und Abgelegenheit ermöglicht. In dieser Freilichtausstellung unterschiedlichster Skulpturen wird schnell klar, welch große Rolle die Witterung und das Tageslicht für sie spielen und dass sie uns in ihrer inhaltlich durchdachten Platzierung zur Bewegung und zu Perspektivwechseln auffordern.
Diese „Erdung“ kennzeichnet auch die neun Werke der aktuellen, hier integrierten Wechselausstellung. Als elfte Ausgabe von „Köln Skulptur“ trägt sie den Titel „Body Manoeuvres“. Kuratiert wurde sie von Nikola Dietrich, der ehemaligen Direktorin des Kölnischen Kunstvereins, die in ihrer dortigen Amtszeit dem Medium Malerei eine angenehm stille Aufmerksamkeit und Aktualität gewidmet hat. Die gleiche unspektakuläre Hinwendung kennzeichnet jetzt ihr Umgang mit Skulptur. Die überwiegend ganz neuen Exponate nehmen den Dialog mit den natürlichen Gegebenheiten, aber auch den anderen Kunstwerken auf, ja, sie reagieren auf das, was sie umgibt und werden Teil davon. Ebenso bedacht ist die Auswahl der acht Künstler:innen, die in den internationalen Diskursen verankert und allenthalben etabliert, aber noch nicht „sattgesehen“ oder „festgefahren“ sind.
Die Atmosphäre von „Body Manoeuvres“ gibt Peter Wächtler mit seiner leicht unterlebensgroßen, höchst nervösen Bronzeskulptur vor, die zwischen Figur und Abstraktion, Körper und Faltenwurf changiert und von jeder Seite anders aussieht – plötzlich macht der Titel „Ärztehaus, Schöffengericht, Atrium“ Sinn und vermeidet doch, wie die Skulptur selbst, die definitive Zuweisung. Ähnlich surreal und körperbezogen verhalten sich davor Georgia Sagris Sitzbänke mit dem von der Künstlerin mundgeblasenen Glas, das wie Wolken oder Pilze an den Sitzflächen wächst. Eine ähnlich taktile Fragilität vermittelt das Vogelhäuschen von Paulina Olowska, welches ein Puppentheater ist, hinter dessen schwarzen Samtvorhang man schauen und greifen kann. Verstärkt wird der Kontakt zur Natur hier noch durch die Schnitzereien über, neben und seitlich der Bühne.
Eine weitere Form der Theatralik wählt Frances Scholz mit ihrem Film, der als gewaltiges abstraktes, schier dreidimensionales Geschehen den menschlichen Zugriff auf die Gewächse zeigt und mit Größenverhältnissen und der Ausdifferenzierung der Farbtöne Empathie erzeugt. Gegenüber von ihrem Screen wächst unter Bäumen auf der freien Wiese die architektonisch anmutende Skulptur von Julian Göthe empor. Ist sie mit ihren konstruktiv präzisen, „durchschaubaren“ Gitterstrukturen nicht ein futuristisches Denkmal? Eine ganz andere kühne Behauptung von Skulptur unternimmt Olga Balema. Mit (vermeintlich) einfachen Mitteln und Formen erzeugt sie eine intensive Erfahrung von Raum als Ereignis. Ihre geknautschten transparenten „Gefäße“ sind seitlich auf der hügeligen Wiese leicht zu übersehen, schnell zu unterschätzen und doch ein grandioses Statement unserer Gegenwart. So selbstverständlich und zeitgenössisch kann Skulptur sein.
KölnSkulptur #11: Body Manoeuvres | bis Juni 2026 | Skulpturenpark Köln | 0221 33 66 88 60
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