
Wer will schon als gierig gelten? Es ist selbstverständlich, dass selbst Konzerne ihr Profitstreben adeln, indem sie ihre gesellschaftliche Verantwortung hervorheben. Demnach zockt noch der letzte Spekulant zum Wohle aller, erweist sich Nächstenliebe als Motor des Kapitalismus – der doch Solidarität und Ökosysteme zerstört. Tatsächlich sind nicht die Motive einzelner Menschen ausschlaggebend für kapitalistische Verheerungen. Sondern es sind finanzpolitische Regeln, die Profitwachstum um jeden Preis fordern. Diese Regeln sind zwar menschengemacht und zu überwinden – das wird aber nicht erreicht, indem man über die Geisteszustände ihrer Verteidiger spekuliert; sogar dann nicht, wenn der Vorwurf der Gier zutrifft. Indes, wer als gierig bezeichnet wird, kontert gerne ebenfalls gleichsam psychologisch mit dem Vorwurf des Neids – als könnten nur unreife Menschen enthemmtes Profitstreben kritisieren. Im Monatsthema GEBEN UND NEHMEN gehen wir diesem Streit nach.
Unsere Leitartikel fragen, warum die meistenMenschen es ganz normal zu finden scheinen, in einem ungerechten Wirtschaftssystem zu leben,ob das große Spendenaufkommen in Deutschland wirklich ein Zeichen von Großzügigkeit ist und wie man sich im Dickicht aus biologischem Erbe, Erziehung und Selbstverantwortung zurechtfindet.
In Interviews diskutieren der Soziologe Sighard Neckel, wie die Finanzwirtschaft tatsächlich zum Gemeinschaftswohl beitragen könnte, der Philosoph Jan Skudlarek, wie sich Freiheit und Solidarität vereinbaren lassen und der Neurowissenschaftler Joachim Bauer, was globale Krisen mit der Entfremdung des Menschen von der Natur zu tun haben.
Wir erfahren in Köln, wie die Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre Unternehmen für den Schutz von Menschenrechten und Umwelt gewinnen, in Bochum, wie die Omas gegen Rechts für eine offene Gesellschaft eintreten und in Wuppertal, wie das Zentrum für gute Taten Menschen bei der Suche nach einem Ehrenamt hilft.
Das Bundesverfassungsgericht hat der Ampelkoalition untersagt, Corona-Kredite nachträglich für den Klimaschutz zu verwenden. Im Streit um fiskalischen Ausgleich drang die FDP reflexhaft auf Sozialkürzungen – kennzeichnend für eine Partei, die unverhohlen auf Eigennutz setzt. Besonders betrüblich ist, dass dieses Politikverständnis keine echte Opposition fürchten muss: Der SPD gelingt weiterhin keine Abkehr vom Geist der Agenda 2010 mitsamt ihrem Niedriglohnsektor, die Grünen (ebenfalls „Agenda“-Partei) haben sich in sozialen Fragen als geradezu verblüffend unsensibel erwiesen und für die Opposition spielt der CDU-Vorsitzende Friedrich Merz bevorzugt die Schwächsten gegeneinander aus – seien es Kinder in armen Familien, Arbeitslose oder Flüchtlinge. Nun gehört das Wundersame zur Weihnachtszeit. Also, wer weiß: Vielleicht besinnen sich die Beteiligten unerwartet eines Besseren. In diesem Sinne: Schöne Feiertage und guten Rutsch!
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