Wenn insbesondere alte Menschen ihre gewohnte Umgebung verlassen müssen – sei es das Haus, die Wohnung oder gar das bekannte Viertel – ist das ein großer, oft der entscheidende Einschnitt in ihrem Leben. In Köln sollte die 101-jährige Lily Rostock auf Druck ihres Vermieters ausziehen, weil das Wohnhaus für einen Neubau abgerissen werden sollte. Die Frau ist schwer dement und lebt seit 1969 dort, seit vielen Jahren mit ihrer Tochter. Ein Umzug wäre das Todesurteil, sagte diese. Sie hat deshalb gegen die Räumung geklagt – und Recht bekommen. Eine seltene Ausnahme in einer Gesellschaft, in der der Wert des Menschen gegen seinen Nutzen aufgerechnet wird.
Frau Rostock durfte also in ihrer Wohnung bleiben, während andere erst gar keine bekommen, vor allem keine bezahlbare. So teilte das Bundesbauministerium auf Anfrage der Partei Die Linke mit, dass es Ende 2025 allein in NRW rund 18.500 Sozialwohnungen weniger gab als noch im Jahr zuvor. Dass die Lücke von rund einer Million Sozialwohnungen geschlossen wird, ist nicht zu erwarten. Das gesellschaftliche Klima sorgt dafür, dass im vorauseilenden Gehorsam selbst vermeintlich linke Parteien den Sozialstaat zerstören.
Nun kann man sich fragen, wie die Tatsache, dass Leute um (bezahlbaren) Wohnraum kämpfen müssen, mit der viel beschworenen „Würde des Menschen“, die ja bekanntlich unantastbar sein soll, zu vereinbaren ist – aber dann landet man bei noch viel grundlegenderen Dingen. Aufgeben ist jedenfalls keine Alternative, im Kleinen wie im Großen. Die wenigen Erfolgsgeschichten zeigen das.
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