Hein Mulders
Foto (Ausschnitt): Felix Broede

„Höchste Qualität nach Köln holen“

28. Mai 2026

Intendant Hein Mulders über den Umzug der Oper in das Haus am Offenbachplatz – Interview 06/26

Nach jahrelanger Sanierung zieht die Oper vom Staatenhaus in Deutz in ihre alte Spielstätte zurück. Am 19. und 20. September findet die Eröffnungsfeier der neuen Spielzeit 2026/27 statt,am 24. steht ein Festakt auf dem Programm und am 27. September ist mit Richard Strauss‘ „Der Rosenkavalier“ die erste Premiere im frisch renovierten Opernhaus angesetzt.

choices: Herr Mulders, wann ziehen Sie um?

Hein Mulders: Noch passiert viel im Haus, viel Feinarbeit, vom Brandschutz bis zur Lüftung. In diesem Komplex mit vier Spielstätten – die Oper, das Schauspiel mit Großem und Kleinem Haus und jetzt neu die Kinderoper – haben wir 2200 Räume! Die haben alle eine Funktion und müssen in Betrieb genommen werden. Baulich ist alles fertig.

Das heißt, ein Urlaub ist für Sie im Sommer nicht drin?

Tatsächlich bin ich im August größtenteils hier. Man muss vielleicht im letzten Moment noch Entscheidungen treffen. Aber darauf bin ich inzwischen vorbereitet: Seit ich im April 2021 zum Intendanten in Köln ernannt wurde, betreibe ich Krisenmanagement in der Planung und bin ständig dabei, zu ändern und anzupassen. Damals rechnete man noch mit zwei Jahren im Ausweichquartier Staatenhaus, bis 2024. Bis heute gab es immer Phasen, die nicht so kamen, wie man wollte. Ich habe defensiv geplant, mit der Möglichkeit gerechnet, im Staatenhaus bleiben zu müssen – und so ist es ja gekommen.Dass wir auch in der Spielzeit 2025/26 noch bleiben mussten, haben wir erst im Sommer davor erfahren. Wir hatten bereits alles für einen Repertoirebetrieb geplant. Es ist ein Wunder, dass die Spielzeit so gut gelaufen ist – mit dem Start in einen neuen „Ring“, einem neuen GMD mit Puccinis „Manon Lescaut“, „Picture a day like this“ von George Benjamin und jetzt Rossinis „Tancredi“. Das ist viel Angebot. Wir hatten noch „Macbeth“ geplant, der musste auf 2026/27 verschoben werden. Dafür haben wir Verdis „Ernani“ wenigstens konzertant gespielt.

Das bedeutet eine erhebliche Belastung für den Betrieb, denn das muss alles geplant werden.

Ich bin Pragmatiker: Probleme lösen und nicht jammern. Aber ich habe allergrößten Respekt vor all denen, die 14 Jahre Interim ertragen mussten und miterlebten, dass es 2015, 2018, 2021, 2024 nichts wurde mit der Rückkehr ins Haus und zum Schluss auch 2025 in der Luft hing. Da ist es nicht einfach, die Motivation zu erhalten.

In der kommenden Spielzeit kehren Sie zum Repertoirebetrieb zurück.

Es ist so geplant. Wir haben jetzt auch die neue Kinderoper, die wirklich einmalig ist. Mit dieser Bühne können wir auch kleinere Formate bedienen und zeitgenössische Oper spielen, denn mit einer neuen Oper die 1300 Plätze im Großen Haus zu besetzen, ist schon sportlich. In der nächsten Saison spielen wir dort ab 24. Januar 2027 Hans Werner Henzes „La piccola Cubana“ aus Anlass des 100. Geburtstags des Komponisten. Am 10. Oktober zeigen wir eine Uraufführung von Philipp Matthias Kaufmann: „Der König verschenkt was“ als Auftragswerk der Kinderoper Köln.

Sie starten mit dem „Rosenkavalier“ in die nächste Spielzeit. Ist das ein Bekenntnis?

Die Frage der Eröffnung stellte sich schon 2024, dann wieder 2025 und jetzt nochmal. Nach all diesen verrückten Szenarien und ständigen Neuplanungen hatte ich ein Konzept für 2024/25: Joseph Haydns „Die Schöpfung“ und Richard Strauss‘ „Elektra“. Der „Rosenkavalier“ war schon längst zur Eröffnung der Saison 2026/27 vorgesehen und dabei bleiben wir auch – einerseits um schon bestehende Verträge einzuhalten und andererseits, weil „Rosenkavalier“ einfach auch ein schöner Titel für eine Saisoneröffnung ist. Sicher werden wir uns damit auch profilieren, weil Regisseurin Marie-Ève Signeyrole einen frischen Blick – zwischen den Welten von Theater und Film – auf das Meisterwerk von Strauss und Hugo von Hofmannsthal werfen wird.

Sie übernehmen eine Reihe von Produktionen, die im Staatenhaus Premiere hatten.

Ich habe in meinen vier Jahren Staatenhaus alle Produktionsteams gebeten, ihre Arbeiten für die Bühne am Offenbachplatz kompatibel zu gestalten. Aus der Zeit vor der Sanierung gibt es immer noch „Zauberflöte“ und eine „Bohème“. Das sind Inszenierungen von Michael Hampe mit zeitlosem Flair. Der „Ring“ von Paul-Georg Dittrich dagegen ist ganz klar Regietheater. Ich finde die Vielfalt der Stile bereichernd. Es gibt Regisseure, die ich hole, weil ich weiß, dass sie zeitlos arbeiten. Daneben, und das ist mir wichtig, möchte ich innovative Ansätze zeigen. So steht Alessandro Scarlattis „Kain und Abel“ von Dietrich Hilsdorf, 2020 in Essen entstanden, neben „La piccola Cubana“ in der Inszenierung von Cecilia Ligori, die mit „La Cenerentola“ bewiesen hat, was sie kann. Ich kann natürlich mit den Regiekonzepten sehr weit gehen, muss aber auch bedenken, wie das Publikum abgeholt werden kann.

Jetzt geht es darum, die nächsten Spielzeiten zu planen und ein Repertoire aufzubauen. Haben Sie Projekte, die Sie jetzt endlich umsetzen können?

Es ist vieles vorhanden, wir müssen nicht bei Null anfangen. Sehr gerne würde ich Berlioz‘ „Trojaner“ wieder aufnehmen, aber das haben wir noch nicht eingeplant. Oper ist eine Kunstform, die von vielen pragmatischen Vorgaben abhängt. Und wir haben ein Haus, das wir bespielen und füllen müssen. Es hat also keinen Sinn, mit großen Visionen durch die Gegend zu laufen, wenn diese nicht realisierbar sind. Ich freue mich, dass wir eine Reihe von internationalen Koproduktionen machen, etwa mit dem Teatro Real in Madrid. Das ist schon ein Traum, der Wahrheit wird: Produktionen, die Internationalität ausstrahlen. Wir gewinnen so Regisseure aus der internationalen Liga wie Christof Loy oder Laurent Pelly. Da geht es darum, höchste Qualität nach Köln zu holen. Mir war wichtig, die deutsche Premiere von George Benjamins „Picture a day like this“ hier zu zeigen. Auch wenn das schon in Aix-en-Provence, London, Paris, Luxemburg und Neapel zu sehen war – das ist sogar ein Qualitätsmerkmal!

Sie haben im Opernhaus acht Premieren und sechs Wiederaufnahmen geplant.

Genau. „Les Contes d’Hoffmann“ vom Kölner Jacques Offenbach in der Regie Stefan Herheims gehört natürlich in die Eröffnungssaison und ist eine Koproduktion mit Bregenz und Kopenhagen. Smetanas „Verkaufte Braut“ kommt aus Madrid, „Macbeth“ aus dem Teatro La Fenice. „Der Rosenkavalier“, „Siegfried“ und „Madama Butterfly“ sind neu. Und als Gastspiel kommt Henry Purcells „Dido und Aeneas“, choreografiert von Sasha Waltz – eine Produktion, die seit ihrem Entstehen 2005 weltweit gefeiert wird.

Interview: Werner Häußner

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