Wenn es die Comedia nicht gäbe, wäre Köln um einiges ärmer: Das Haus in der Vondelstraße, eine sorgsam restaurierte alte Feuerwache, ist seit dem Sommer 2009 zum hippen Treffpunkt in der Südstadt geworden. Und weil sich die Geburtsstunde des Fünf-Sparten-Theaters im September zum 30. Mal jährt, wird einen Monat lang gefeiert, dass sich die Bühnenbalken biegen. Angefangen hat alles vor drei Jahrzehnten in einem umgebauten Supermarkt in der Löwengasse. Dort fand das bis dahin vagabundierende Kindertheater Ömmes & Oimel ein Domizil. Fortan nannte man die Spielstätte Comedia Colonia – und sorgte bald darauf dafür, dass es nicht beim Nachwuchspublikum blieb.
So ernüchternd es ist: Mit Theater für die Kleinen ist kein Geld zu verdienen. Selbst, wenn die Akteure für einen Appel und ein Ei spielen – die laufenden Kosten für ein Haus müssen trotzdem weiter bezahlt werden. Aus diesem schnöden Grund sah man sich gezwungen, abends Vorstellungen für Erwachsene anzubieten. Die Crew ließ sich etwas einfallen. Zunächst stellte man Eigenproduktionen auf die Beine wie den „Rotkäppchen-Report“ von Angelika Bartram mit Dirk Bach und Samy Orfgen in den Hauptrollen. Der Laden brummte. Die Zuschauer waren begeistert. Aber obwohl die Stadt das Kindertheater subventionierte: Die Buchhaltung strotzte dennoch weiterhin vor roten Zahlen.
Ömmes & Oimel-Gründungsmitglied Richard Rogler hatte bereits vorgemacht, wie man mit Kleinkunst richtig Kohle machen kann: Zusammen mit dem unvergesslichen Heinrich Pachl war er als „Der wahre Anton“ unterwegs, ein Kabarett-Duo, das die Branche gründlich aufmischte, indem es keineswegs nur in Musentempeln, sondern auf Straßen, in Jugendzentren und in Hörsälen auftrat. 1982, also im Gründungsjahr der Comedia Colonia, landeten die beiden in der Schlosserei des Kölner Schauspielhauses mit der Produktion der „Absa(h)nierung“ einen Volltreffer. Vier Jahre später schrieb Rogler mit dem Solo-Stück „Freiheit aushalten“ nicht nur Kabarett-Geschichte, er erfand auch einen Mann namens Camphausen, der in den folgenden Jahrzehnten zum Inbegriff einer von Gewinnstreben und Unersättlichkeit dominierten Gesellschaft wurde, ein Loser, dessen Leben so gar nicht auf Karriere gebürstet war.
Zurück zur Comedia – das „Colonia“ erschien den Machern irgendwann zu piefig und wurde ersatzlos entsorgt. Das Kabarett war zum x-ten Mal für tot erklärt worden und existierte zum Trotz munter weiter. Auf der Bühne der Comedia machte es die Mischung: 70 Prozent Gastspiele, 30 Prozent Eigenproduktionen hielten den Laden über Wasser. Geschäftsführer wurde Klaus Schweizer, Uschi Siedler übernahm die künstlerische Leitung der Abendprogramme und setzte auf Qualität. Wer in die Comedia geht, soll nicht enttäuscht werden. Siedler engagiert nur erste Sahne innerhalb der Branche – zunächst so garantierte Kassenfüller wie Hanns Dieter Hüsch, Konrad Beikircher und Georgette Dee, später wurde sie wagemutiger und holte auch weniger eingeführte Künstler ins Haus. Inzwischen weiß jeder: Das Eintrittsgeld in der Comedia ist eine Investition in die eigene Entwicklung, die Synapsen kommen in Bewegung, die Gesichtsmuskulatur wird trainiert, Dopamin wird freigesetzt – das sich unweigerlich einstellende Glücksgefühl besitzt eindeutig Suchtcharakter.
Am 2. September wird ab 11 Uhr ein Theaterfest gefeiert – mit allem Zipp und Zapp: Führungen, Workshops, eine Geburtstagstombola, bei der man unter vielem anderen eine Übernachtung in der Künstlerwohnung gewinnen kann, Kinderschminken, Basteln und, und, und … Also, wenn Sie mich fragen, ich wünsche mir, dass ich das Los ziehe, auf dem geschrieben steht, Gerd Krebber wolle mich einen Abend lang bekochen – drücken Sie mir die Daumen! Dafür dankt die Ihnen stets ergebene
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