Einen Tag nach der Premiere ihrer neuen Produktion kündigte die Choreographin Stefanie Thiersch bei der Protestveranstaltung in der Expo gegen den gekürzten Tanzgastspieletat an den Bühnen an, Köln möglicherweise verlassen zu wollen. Gründe: die Sparmaßnahmen der Politik, die Infragestellung der Internationalität, die Gleichgültigkeit gegenüber Freier Szene und Nachwuchs. Was diese Internationalität bedeutet, das zeigte Thierschs Projekt „Mitumba“, das im Rautenstrauch-Joest-Museum seine Uraufführung erlebte.
Aus einem Kleiderbasar im Foyer, bei dem kräftig gehandelt wird, entwickelt sich ein Abend über die vermeintlich hilfreichen Praktiken europäischer Kleiderspenden an afrikanische Länder. Stefanie Thiersch hat dazu Tänzer aus Tansania, Kenia und Nigeria eingeladen, die mit seriellen, stark rhythmisierten Bewegungssequenzen wie Schuh- und Beinplattlereinlagen zunächst eher atmosphärisch arbeiten. Kleiderständer werden durch das Publikum geschoben, die Rufe von Verkäufern gellen durch den Raum, es gibt Gesänge und Textpassagen, die man nicht versteht. Zu Beginn läuft „Mitumba“ immer wieder Gefahr, einem folkloristisch-hegemonialen Afrika-Bild zu frönen. Ein Dialog zwischen der Choreographin und dem Tänzer Isack Peter Abeneko über Spenden, über Verkaufsstrategien in Afrika und Identitätsfragen bringt den Abend dann inhaltlich in die Spur.
Eine weiße, in Kleidung gehüllte Tänzerin, die ihren schwarzen Trägern die Augen zuhält, wird durch den Raum gereicht: Das suahelische „Mitumba“ bezeichnet nicht nur die europäischen Spendenpraktiken, sondern auch den Geist des weißen Mannes, der in den Klamotten steckt und deren Trägern seinen Willen aufzwingt. Ein roter Teppich lässt die Tänzer zur Modenschau aufmarschieren mit grotesk verzerrten Posen und mechanisiertem Catwalk-Gestelze. Shirts, Hosen, Kleider und sogar Tänzer werden an Meistbietende versteigert, ein Kassenwart mit Krawatte und Jackett sorgt für prompte Abwicklung. Zu mitreißenden Percussion-Einlagen von Holger Mertin bietet Thiersch einfache und leicht verständliche Bilder auf. Das performative Moment überwiegt deutlich das tänzerische – ein bisschen mutiger hätte die Choreographin schon sein dürfen.
„Mitumba – ein Happening“ | Ch: Stefanie Thiersch | Alte Feuerwache, Köln | 3.5. 17 Uhr | www.mouvoir.de
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