Es ist das Stück der Stunde, es ist das Stück der Auslastungszahlen. „Terror“ des dramatisierenden Strafverteidigers Ferdinand von Schirach beschert allen Theatern volle Häuser. Und da man eine Kuh melken muss, solange sie Milch gibt, wurde das Stück längst auch zum Buch und zum TV-Event verlängert – eine Website listet inzwischen alle Publikumsabstimmungen auf, die den Abend beschließen.
„Terror“ bringt ein juristisches Konstrukt auf die Bühne. 164 Menschen sind Bord des Fluges LH 2047 von Berlin nach München. Ein Terrorist kapert das Flugzeug, steuert es auf die voll besetzte Allianz Arena zu, bis es von Major Lars Koch, dem Piloten einen Kampfjets, abgeschossen wird. Das Stück zeigt die Verhandlung gegen Koch, der wegen 164-fachen Mordes angeklagt ist. Am Ende entscheiden die Zuschauer als Schöffen über Schuld oder Unschuld.
Im Theater der Keller thront unter einem Bundesadler Josef Tratnik mit sonorer Ruhe als Richter hinter einer metallenen Richterbank, davor reihen sich die Zeugen sowie Verteidigung und Staatsanwaltschaft auf – alle frontal ausgerichtet, was der Platznot der Bühne geschuldet ist, aber leider das dialogische Prinzip des juristischen Verfahrens aushebelt. Das Stück ist sowieso schon theatralisch trocken Brot, auch aufgrund der zahlreichen Infos über juristische Details, dadurch wird es noch etwas statischer. Regisseur Heinz Simon Keller gelingen allerdings ein paar deutliche Akzente.
Hendrik Vogt gibt einen jungenhaft-schnippischen Verteidiger, Susanne Seuffert als Staatsanwältin agiert mit inquisitorischer Ruhe. Matthias Brüggenolte als Pilot wiederum macht Punkte als unaufdringlicher Sympathieträger, bewahrt Haltung, leistet sich aber auch einen Ausraster, als es um die große Verantwortung der elitären Kampfpiloten geht. Das ist alles nur mäßig spannend, was aber nicht an der Inszenierung (die Regie hat dankenswerterweise einiges gestrichen), sondern am Stück liegt. Lohnend sind allein die Diskussionen, die es beim Publikum auslöst. Im Namen des Volkes erging am Ende folgendes Urteil: Der Pilot Lars Vogt wurde – wie in so vielen Vorstellungen weltweit – freigesprochen.
„Terror“ | R: Heinz Simon Keller | 2., 3.12. 19 Uhr im Verwaltungsgericht, 26., 27.11. (18 Uhr), 15., 17., 27., 28.12. 20 Uhr im Theater der Keller | 0228 31 80 59
biograph |
choices |
engels und
trailer
- die online Kinoprogramme für
Bochum,
Bonn,
Castrop-Rauxel,
Dortmund,
Düsseldorf,
Duisburg,
Essen,
Frechen,
Gelsenkirchen,
Hagen,
Herne,
Hürth,
Köln,
Leverkusen,
Lünen,
Mülheim,
Neuss,
Oberhausen,
Recklinghausen,
Solingen und
Wuppertal