Einen guten Gag zu schreiben und ihn auch noch so zu präsentieren, dass er funktioniert, ist Arbeit, harte Arbeit. Und erfordert jede Menge Erfindungskraft. Dass Lachen ansteckend ist, wissen nicht nur Lachgurus. Wem ein pfiffiger Joke gelingt, muss selbst darüber kichern. Noch besser, wenn der Spaßmacher – resp. die Spaßmacherin – das Publikum darüber hinaus auch zum Staunen bringt. Wie Barbara Kuster, die ihre Zuschauer spielend und singend an die Hand nimmt und es in Welten entführt, die man zuvor so noch nicht gesehen hat. Oder haben Sie schon einmal auf Einladung des Bundespräsidenten hinter die Kulissen von Schloss Bellevue geschaut?
Das lässt sich ändern, dank der zukünftigen Bundespräsidentin, der „eisernen Lady“ alias Barbara Kuster, die am 14. August im Senftöpfchen-Theater zeigt, was passiert, wenn eine Preußin das Ruder in die Hand nimmt. Die aus Potsdam kommende Kabarettistin liefert nicht nur eine furiose Bestandsaufnahme der deutschen Republik, sie zieht auch einen großen Bogen von ihrer zukünftigen Mission als erste Bundespräsidentin bis hin zur Jubelhymne, in die alle einstimmen dürfen. Und sie demonstriert, in welcher Haltung man Paraden abnimmt und rote Teppiche beschreitet. Das hat sie sich von ihrer fleißigen Assistentin Shiva („mein ganzes Glück“) zeigen lassen. Sie beherrscht den perfekten Hüftschwung, rockt einen Wutbürger-Song („Die Gartenzwerge tragen jetzt Kalaschnikow“) und tritt als Fleisch gewordener Feuerlöscher in Aktion. Einer der Höhepunkte des Abends besteht in der Intonation des Kinderliedes „Häschen in der Grube“, dessen Hintersinn sie aufs Lustigste herausgearbeitet hat. Aber hören – und sehen – Sie selbst.
Der Titel klingt kryptisch „Ermpftschnuggn trødå! – hinterm Staunen kauert die Frappanz“ heißt der Abend mit Jochen Malmsheimer (am 25. August im Bonner Pantheon), in dessen Verlauf der aus dem Ruhrgebiet kommende Kabarettist den Konzentrationspegel in Höhe treibt. „Flieg, Fisch, lies und gesunde“ das Programm, mit dem er am 26. und 27. in der Comedia auftritt. Für beide Vorstellungen gilt: Um seine fein gedrechselten Sätze, die kulturkritischen Anspielungen und Verweise in ihrer vollen Schönheit genießen zu können, braucht es die geballte Aufmerksamkeit.Malmsheimer, der seine Sätze in einem Wahnsinns-Tempo herausschleudert, behauptet, das sei keine Kunst. Widerspruch, Euer Ehren!
Der Mann weiß nämlich nicht nur eine ganze Menge über das Wesen der deutschen Sprache, er kann auch sagen, wo sie wohnt: In Mannheim. Dort kämpfen die vom Aussterben bedrohten Worte ums Überleben. Oder erdonnert einen Psalm an die Hose über die Köpfe der Zuschauer hinweg – großes Theater. Auch die Ode an die verwehten Tage, als das Fernsehen noch seinem Bildungsauftrag nachkam, gleicht der Vorwegnahme des Jüngsten Gerichts. Selbst der Blick auf die eigenen Wanderbewegungen, denen ein über 50-jähriges Mannsbild unterworfen ist, erweist sich als dramatisches Kunstwerk: Selten ist man einer derart eleganten Beschreibung einschlägiger menschlicher Körperöffnungen begegnet. Und wohl noch nie hat jemand einen nachhaltigeren, politisch allerdings nicht ganz einwandfreien Vorschlag zur Beseitigung der Nazis in deutschen Landen gemacht. Schwört wie immer hoch und heilig die Ihnen stets ergebene
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