„Das war ich nicht“
Foto: Meyer Originals

Einsame Lebensstrampler

30. März 2012

K. Magnusson im Freien Werkstatt Theater - Theater am Rhein 04/12

Das Freie Werkstatt Theater, zu dessen liebster Spielwiese die Literaturdramatisierung gehört, hat sich den Roman „Das war ich nicht“ des deutsch-isländischen Autors Kristof Magnusson zur Brust genommen. Ein so leichtes wie abgründiges Werk, das Finanz- und Literaturmarkt pointensatt miteinander verknüpft. Da ist der schwule Großliterat Henry, der unter einer Schreibblockade leidet und sich inkognito in ein Hotel verkriecht. Ihm auf den Fersen seine deutsche Übersetzerin Meike, die dringend den neuen Auftrag braucht, sonst geht sie pleite. Dritter im Bunde ist der Börsentrader Jasper, der seine Bank mit einem Milliarden-Verlust in den Ruin treibt. Das Trio trifft sich in Chicago, wobei Jasper sich in Meike verliebt, die wiederum hinter Henry her ist, der wiederum nichts gegen ein Tête-à-Tête mit Jasper hätte. „Geschlossene Gesellschaft“ light.

Die Struktur des Roman mit seinen drei in Ich-Form angelegten Erzählhaltungen mag zwar bühnenkompatibel sein, führt aber zu einem etwas eintönigen Staffellauf der Monologe zwischen den zwei hintereinander gehängten Jalousien und einem Sofa. Anstelle von Dialogen entstehen kleine Solonummern. Bernd Rieser macht mit Tänzelschritt, Handgefuchtel und tuntigem Ton aus dem Schriftsteller Henry eine billige Schwulenkarikatur; auch Madeleine Niesche agiert als Übersetzerin allzu aufgeschäumt; ihre aufgeräumte Betriebsamkeit, die zunächst als Unsicherheit oder Angst vor dem Alleinsein erscheint, wirkt bald nur overacted. Nur Valentin Stroh als Jasper hält seine Figur am Boden, Typ Schwiegersohn, der mit einnehmender Nettigkeit um Verständnis heischt und so sein halbkriminelles Potential geschickt kaschiert. Werner Tritzschlers Inszenierung entscheidet sich für die vordergründige Komik und vermeidet gerade den abgründigen Witz, der die Figuren umfängt. Magnussons drei einsame Lebensstrampler, die irgendwie, vor allem aber mit Humor und Selbstironie im großen undurchschaubaren Spiel mitspielen wollen, werden bei Tritzschler allzu schnell zu Karikaturen. Der Witz wird nie existenziell angespitzt, sondern bleibt meist flach – mit stierem Blick auf die nächste Pointe.

„Das war ich nicht“ von Kristof Magnusson | R: Werner Tritzschler | Freies Werkstatt Theater | 4./5./13./14./25./26.4., 20 Uhr | 0221 32 78 17 | www.fwt-koeln.de

HANS-CHRISTOPH ZIMMERMANN

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