Ein 900-seitiges Romanepos für eine Spieldauer von 1,5 Stunden mit lediglich zwei Darstellern zu inszenieren, ist schon eine Herausforderung an sich. Wenn es sich bei dem behandelten Wälzer um Melvilles „Moby Dick“ handelt, wird’s elliptisch dicht. Die Weltparabel der Massenmanipulation erklärt die substanzielle Suche nach Sinn zur unbefriedigenden Jagd.
In der Inszenierung des Kölner Theaterpreisgewinners Kieran Joel schwappt die unbestimmte Weite des Ozeans auf die kleine, in Teichfolie verpackte Bühne des Theaters im Bauturm über. Die Pequod steuert hinein in eine Performance zwischen Literaturadaption und Aktionskunst. Derb-anmutige Liveness wechselt sich mit den Probenprozess reflektierenden, Videoaufzeichnungen ab. Außerdem gibt es allerhand unnütze Fakten aus der Enzyklopädie des Walfangs zu ergattern: etwa, wenn der Walschwanz homoerotisch-anatomisch mit einem nackten Körper verglichen wird. Oder das Publikum erfährt, dass das Gehirn eines Pottwals geschmacklich an Kalbskopf erinnert.
In den Brüchen steckt System, denn auch die Textvorlage ist von wirrer Stilvielfalt durchdrungen. Das Spiel von Maximilian Hildebrandt und Felix Witzlau ist körperlich und kraftvoll. Die beiden Absolventen der Ernst Busch Hochschule für Schauspielkunst triefen vor Nässe, beschmieren sich mit Kunstblut und schlittern raufend und rezitierend über die Bühne. Dabei wechseln sie die Rollen so unbedarft, wie ihre Anoraks. Sind mal der von Rachegelüsten getriebene Kapitän Ahab, dann Starbuck und sprechen schließlich wieder als sie selbst: „Vom Zauber der Schönheit liegt viel in der Stärke.“
„Moby Dick“ | R: Kieran Joel | 22., 25.-27.3., 22., 23., 24.5. 20 Uhr, 23.3. 19 Uhr | Theater im Bauturm | 0221 52 42 42
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