Eine kleine rötliche Frottage füllt die Wand, lenkt den Blick unweigerlich auf sich. Sie zeigt eine surreale Landschaft, die der Maler, Grafiker und Bildhauer Max Ernst 1946 in den USA herstellte. Doch so surreal, wie diese Landschaften Jahrzehnte früher wirkten, ist sie gar nicht. Sie ist fast real in Arizona, wo Ernst im selben Jahr mit seiner vierten Ehefrau, der Künstlerin Dorothea Tanning (1910-2012) ein kleines, einsames Haus in Sedona, mitten in der Wüste baute. Es hatte ihm auf dem Weg dorthin die Sprache verschlagen, als er kurz vor Flagstaff wegen einer Klapperschlange aus dem Wagen stieg und um sich herum seine Landschaften entdeckte, die er in Paris als Surrealist gemalte hatte, ohne jemals die USA betreten zu haben.
Ein Foto gleich am Eingang der Ausstellung im Max-Ernst Museum in Brühl zeigt diese Landschaft auch. Der Filmemacher Peter Schamoni ist da zu sehen, gut eingepackt in eine Decke, vor gut eingepackter Kamera. Es ist 1990, und Schamoni dreht gerade den dokumentarischen Kinofilm „Mein Vagabundieren – Meine Unruhe“ zum 100. Geburtstag des Künstlers. Insgesamt drehte er fünf Dokus über Ernst und hat ihm dabei natürlich auch beim Arbeiten über die Schulter geschaut: Fotos zeigen diesen Entstehungsprozess. Bilder, die dort zu sehen sind, finden sich auch in der Sammlung des Filmemachers, mit denen die Ausstellung „Entdeckungsfahrten zu Max Ernst“ bestückt ist. Es ist ein Sammelsurium der Kleinodien, sortiert nach Entstehungsjahr und Themen. Darunter auch Tafeln und Kästen, die Schamoni selbst zusammengestellt hat um, Entstehungsprozesse deutlich zu machen. Ein Holzbrett, das der Künstler für seine Frottagen im Atelier und im Film benutzt hatte, wurde irgendwann Teil einer Installation, die auch im Museum zu sehen ist.
Vor rund fünfzig Jahren reiste der damals junge Filmemacher Schamoni (1934-2011) in die französische Touraine, um seinen ersten Dokumentarfilm über den Dadaisten und Surrealisten Max Ernst (1891-1976) zu drehen. Damals entstand der Kurzfilm „Entdeckungsfahrten ins Unbewusste“, in dem der Künstler seine Techniken der Collage und Frottage erläutert und Einblick in sein Leben und Werk gibt. Schamoni begann sich auch als Vermittler dessen Kunstverständnisses zu fühlen und sammelte von da an Arbeiten von Max Ernst, der in Brühl geboren ist. Ein paar bekam er geschenkt, andere ersteigerte er zu Zeiten, als diese Arbeiten noch bezahlbar waren. Meistens hatten die Werke Bezüge zu Schamonis Filmen. So auch „Paysage extraordinaire“ (1947), auf dem wieder die amerikanische Canyon-Landschaft zu sehen ist. Das Max Ernst Museum des Landschaftsverbands Rheinland (LVR) zeigt diese Sammlung zum ersten Mal vollständig und in allen ihren Facetten. So sind in dieser Schau über 80 Werke zu sehen, ergänzt durch eine Fülle fotografischer Portraits sowie persönlicher Dokumente der Freundschaft zwischen dem Ausnahmekünstler und dem Filmemacher und passionierten Sammler. Der bereits angesprochene Film „Mein Vagabundieren – Meine Unruhe“ (1991) wird in Brühl in einem separaten Kinoraum zu sehen sein.
„Entdeckungsfahrten zu Max Ernst. Die Sammlung Peter Schamoni“ I bis 23. Juni I Max Ernst Museum des LVR, Brühl I www.maxernstmuseum.lvr.de
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