Für Landmann Isak ist die Frage Ackerboden oder Moderne Welt schnell beantwortet. Er legt los, rodet die Wildnis, träumt von der Einsamkeit, einer kleinen Frau, einem kleinem Leben, einer kleinen Tochter. Nein, das ist nicht Heinz Rühmann (obwohl der damals auch schon aktiv war), sondernKnut Hamsuns Protagonist ausdessen Nobelpreisroman „Segen der Erde“. Das ist ein eigentlich holpriges Lindenstraßen-Epos auf Norwegisch, mühsam zu lesen, oft vorsätzlich wirr in der Logik. Ein Werk, das zudem historisch wohl ein ewig angekokelt ist, das lange Zeit verbannt wurde und doch eigentlich gerade jetzt in die um sich greifende digitale Welt gehört, politischer Verfehlung des Literaten zum Trotz. Denn so richtig trockengelegt haben die Nordmänner das Moor in der norwegischen Wildnis eigentlich immer noch nicht, überall tropft noch das Wasser von den Wänden, es tropft von der Kleidung, den Betten und den nicht vorhandenen Bäumen. Aber das Wasser gießt auch einen Spiegel auf die Bühne in der Kölner Halle Kalk, auf demRobert Borgmann Knut Hamsuns erdiges Eposinszeniert. Als eigenes Kunstwerk, das sich aus dem Roman zahlreiche Fetzen schneidet und irgendwie wieder zusammennäht, in Reih und Glied zwar, trotz 200 Minuten aber immer auch etwas wässrig.
Der Anfang bleibt im stroboskopen Dunkel. Leise plätschernd finden sich dort Isak (Marek Harloff) und Inger (Julia Riedler) im Nichts. Großartige zwanzig Minuten braucht es, bis das erste Kind geboren wird, die nordischen Trolle sich das mal so anschauen und sich die Beziehung festigt, alsdie Söhne Eleseus (Janis Kuhnt) und Sivert (Justus Maier)endlich im Wasser schwimmen, will Isak einfach nur bauen, bauen, bauen, Haus, Schuppen, was halt so anliegt, auf Grund und Boden, der ihm nicht einmal gehört. Ingers Hasenscharte zwingt Julia Riedler zwangsläufig zur konzentrierten Ausdrucks-Sprache, ihre Figur neigt eher zu handgreiflicherem. Als die kleine Tochter gentechnisch auch eine Hasenscharte erhält, wird sie kurzerhand ertränkt und begraben. Dieser archaische Umgang mit Leben an sich setzt eine Entwicklung in Bewegung, an deren Ende nicht nur der Untergang zweier Generationen steht, sondern auch das Lebensmodell in der Natur, Fortschritt bedeutet eben immer auch Opfer. Und es ist die Künstlichkeit der Bilder, die dem Konzept letztlich die Kraft nehmen, undBorgmann treibt diese Künstlichkeit so weit sie nur geht, dabei seien Michael Frank fürs großartige Licht und Sven Michelson und Phillipp Weber für die effektive Livemusik genannt. „In every dream home a heartache.“ Eine Brian Ferry Textzeile von 1973 machte den Abend dann irgendwie rund, wenn sich auch nirgendwo diese aalglatte „Penthouse Perfection“ einstellen wollte. Es blieben der glitschige Morast, aber eben auch diese erbärmlichen „my role is to serve you“-Attitüden der Männer. Und alles trotz der Möglichkeiten, die sie auch auslassen, um dem Spuk ein Ende zu machen. Und dieses Ende ist wieder ziemlich lang aber folgerichtig.
„Segen der Erde“ | R: Robert Borgmann | keine weiteren Termine | Schauspiel Köln | 0221 22 12 84 00
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