Was die Fastenzeit angeht: Egal, worauf man in diesen Wochen verzichtet, das Lachen sollte keinesfalls dazu gehören. Ganzjährige Miesepeter gibt es schließlich mehr als genug. Und von heruntergezogenen Mundwinkeln wird die Welt nicht besser. Also auf in die Brutstätten des gehobenen Unsinns, oder wie Matthias Brodowy, der Chief director for a high level bullshit, fordert: Macht mehr Blödsinn im Alltag. Zum Beispiel in einer Fußgängerzone stehen bleiben und laut: „Gehen Sie weiter. Hier gibt es nichts zu sehen“ rufen. Garantiert bilde sich umgehend eine Menschentraube. Mit seinem Solo-Programm „Bis es euch gefällt“ tritt der Preisträger des Deutschen Kleinkunstpreises 2013, dessen Albträume zu den schlimmsten ihrer Sorte gehören, am 6. März im Senftöpfchen-Theater auf.
In die Welt der österreichisch eingefärbten Satire entführt dagegen Severin Groebner am 17. im Senftöpfchen-Theater und am 21.3. im Bonner Haus der Springmaus. Mit seiner schwarz umrandeten Brille, dem adretten Anzug und weißem Hemd kommt er eher unspektakulär daher. Aber der Augenschein trügt. Der Mann hat es nämlich in sich. Und wie: In seinem Programm „Servus Piefke!“ geht es ans Eingemachte, an das, was Deutsche und Österreicher eint und trennt, um Vorurteile, Tatsachen und Täuschungen. Auf Deutsch übersetzt heißt sein Programm einfach „Hallo, Deutsche!“. Wobei Groebner seit 1999 in Deutschland lebt – und wie sich herausstellt – perfekt integriert ist. Den Blick von außen hat er sich dennoch bewahrt – und zwar in beide Richtungen.
Es geht nämlich keineswegs darum, die eine oder andere Nation vorzuführen, ihre Eigenheiten der Lächerlichkeit preiszugeben. Dafür ist Groebner viel zu klug. Und viel zu gewitzt. Er weiß um die wechselseitigen Animositäten und nennt sie beim Namen. Und er kennt den kleinen gemeinsamen Teil der Geschichte, auch Vergangenheit genannt. Nach eigenen Angaben 1969 im Wiener „Helmut Qualtinger Hof“ geboren, verbrachte er die ersten drei Jahrzehnte seines Lebens in einem Land, dessen Einwohner ein Wort für hässlich, abgründig, grauenhaft und gemein erfunden haben: schiach, die Rückseite des Schmäh, wie der Kabarettist erläutert.
Der Wiener sitze jahrzehntelang in schlecht beleuchteten Caféhäusern und ernähre sich ausschließlich von Sachertorte. Wenn er dann eines Tages ins Freie hinauskrieche, sei er schiach. Ganz im Gegensatz zu den Deutschen, deren Hässlichkeit an der Oberfläche bleibe und sich selbstbewusst zeige – man denke nur an die Träger von Freizeitkleidung.
Komplettes Neuland empfing den Auswanderer, als er seinerzeit nach Deutschland kam. Unfassbar: Man ließ einander ausreden, hörte dem Gegenüber zu. Das kannte er bis dahin nicht.
Der leichte Wiener Akzent, mit dem Groebner seine Ausführungen würzt, verleiht selbst den hinterhältigsten Gedankengängen einen gewissen Charme, ohne sie zu entschärfen. Nur die Frage, was eigentlich Deutsch ist, kann er nicht zufriedenstellend beantworten. Das Gespräch unter Männern in seiner Stammkneipe führt auch nicht allzu weit. Wiener Schnitzel, meint der eine, Schrebergärten ein anderer. Wir schlagen mal auf Groebners Anregung hin die perfekt durchorganisierte Anarchie vor. Zu begutachten im Karneval oder auf dem Oktoberfest. Nur zum Beispiel. Auf jeden Fall zu empfehlen, schwört hoch und heilig die Ihnen stets ergebene
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