Wer ist die Schönste im Land? Das ist längst keine Frage mehr aus dem Märchen, sondern aus der harten Realität der Social Media. Schönheit ist für die Mädchen aus Pontinia, einer Kleinstadt südlich von Rom, die Währung des Glücks. Aber in diesen Sommerferien ändert sich alles. So galt Diana immer als das übersehene Mädchen. Klug, aber zurückhaltend konnte sie nur schwer verwinden, dass sie auf der Hüfte ein Muttermal trägt, das sie als körperlichen Makel empfindet. Die selbstbewusste, aufbrausende Vera macht, was sie will, aber dann offenbart die Liebe zu Christian ihre Verletzlichkeit. Und Vanessa hat ihren Freund Gianmarco satt und beginnt eine Affäre mit einer Frau.
Alice Urciuolos Roman „Verehrung“ bietet ein vielstimmiges Porträt der heutigen Teeanger-Generation. Wobei der Fokus stets auf dem Leben der Mädchen ruht. Ein fulminantes Romandebüt gelingt der 31-jährigen Italienerin. Dass sie zuvor an Stoffen für Fernsehserien gearbeitet hat, ist nicht zu übersehen. Mitunter verliert sie sich in den allzu üppig angelegten Erzählfäden. Und doch bleibt sie nah an der Realität der Mädchen, wie die von Verena von Koskull glänzend übersetzten Dialoge zeigen.
In der sommerlichen Atmosphäre lauert die Erinnerung an einen Femizid, der sich ein Jahr zuvor ereignet hat. Männliche Gewalt ist ein Thema des Romans, beherrscht aber nicht das Leben der Mädchen, von denen jede auf ihre Weise erwachsener wird und selbstbewusst die eigene Sexualität lebt. Dass die Fesseln des Schönheitsdiktats überwunden werden, spielt dabei eine große Rolle.
Unauffällig und darum umso subtiler verleiht Urciuolo dem Roman seinen politischen Gehalt. Die Mädchen lösen sich aus dem Zugriff der Familien und gehen eigene Wege, das gibt Krach mit den Müttern. Aber wie brandaktuell diese Prosa ist, zeigt sich gerade in dem Versuch der rechten Regierung, den Sexualkundeunterricht in Italien abzuschaffen, der nachweislich ein wirkungsvolles Instrument gegen Femizide ist. Wenn man Urciuolos ebenso zarte wie entschlossene junge Frauen sieht, kann man sich allerdings nicht vorstellen, dass sich das Rad des Fortschritts in der Genderfrage noch einmal zurückdrehen ließe.
Alice Urciuolo: Verehrung | A. d. Ital. v. Verena von Koskull | 392 Seiten | Nonsolo Limoni | 24 Euro
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