„Sowas darf eigentlich nicht noch einmal passieren, darum ist es so wichtig, dass wir in der Öffentlichkeit weiter darüber reden“, sagt Seda Başay-Yıldız, Anwältin von Opfern des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU). Mehrere hundert Menschen, darunter die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker, sind zur Gedenkfeier am 21. Jahrestag des rechtsextremen Anschlags auf der Keupstraße gekommen. Neben einer Kundgebung besteht das Programm aus Filmpräsentationen, Kunstausstellungen und Livemusik.
2004 zündete hier der NSU eine 18 Kilo schwere Nagelbombe, die 22 Menschen teilweise lebensbedrohlich verletzte. Trotz Hinweisen auf den NSU ging die Polizei lange von einer Milieustraftat aus und ermittelte gegen Anwohner:innen. Nach der Selbstenttarnung der Täter 2011 reagierte die Stadt mit Solidaritätsbekundungen und dem Versprechen, ein Mahnmal zu bauen. Der Plan dafür steht seit zehn Jahren, das Mahnmal bis heute nicht.
„Die Anwohner:innen fühlen sich nicht mehr ernst genommen und im Stich gelassen. Viele haben die Hoffnung auf ein städtisches gebautes Mahnmal bereits aufgegeben“, sagt Sandra Jasper von der Sozialraumkoordination Köln Mülheim Nord / Keupstraße einen Monat vor der Gedenkfeier bei einer offenen Diskussion am Schauspiel Köln. Die 2019 gegründete Initiative Herkesin Meydanı, die sich für die Errichtung des Mahnmals einsetzt, hatte in einem offenen Brief an die Verantwortlichen dazu eingeladen.
2015 hatte der Stadtrat beschlossen, das Mahnmal in den Bauplan für das Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs an der Ecke Keup- und Schanzenstraße zu integrieren. Der Berliner Künstler Ulf Aminde entwickelte das Design für diesen Ort. Aufgrund eines Fehlers entschied sich die Stadt nach der Ausschreibung jedoch für einen Plan, der das Mahnmal nicht am vorgesehenen Ort berücksichtigte. Daraufhin wehrten sich die damaligen Grundstückseigentümer gegen den Bau. Als das Areal wieder zu Verkauf stand, verzichtete die Stadt auf ihr Vorkaufsrecht. Neuer Eigentümer wurde die Gentes Gruppe aus Düsseldorf, die seither mit der Stadt in Verhandlungen über das Mahnmal steht.
„Das Mahnmal steht symbolisch für das Versagen der Behörden und den anhaltenden Kampf um Anerkennung“, sagt Peter Bach von der Initiative zur Solidarität mit den Opfern des NSU-Anschlags. „Der Kampf um das Mahnmal ist mittlerweile Teil des Mahnmahls geworden.“ Aktuell ist der Baubeginn für Ende 2028 geplant.
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